Blog St. Vincenz

Impuls des Monats Juli - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Geschäftsführerin und Vincentinerin

Hl. Vincenz von Paul

„Sünder zurechtweisen“

Ab der zweiten Jahreshälfte 2016 sollen in unseren monatlichen Impulsen die geistigen Werke der Barmherzigkeit in den Blick genommen werden. Man könnte meinen: das ist ja gleich harter Tobak „Sünder zurechtweisen“. Ist damit denn nicht direkt ein Vorurteil verbunden, wenn ich einen Sünder zurechtweise.

Das Wort Sünde passt ja eigentlich auch gar nicht mehr in unseren modernen Sprachgebrauch, oder doch? Wenn wir genauer hinschauen, dann ist schon immer wieder vom Sünder die Rede, auch in unseren Medien. Da gibt es „Steuersünder“, „Alkoholsünder“, „Temposünder“ usw.

Schon in diesen drei Beispielen wird das Wesen der Sünde deutlich. Jede Sünde verletzt die Natur des Menschen und die menschliche Solidarität. Sünde, auch Sünde gegen die Mitmenschen, ist immer eine Verfehlung gegen Gott - das Sündigwerden an Mitmenschen als Gottes Geschöpfe ist implizit auch gegen deren Schöpfer gerichtet.

Wenn uns auffällt, dass durch wissentliches oder unwissentliches Verhalten die Würde und Natur von Menschen verletzt wird, oder auch die Solidarität in der Gemeinschaft gestört ist, ist ein liebevoller Hinweis auf eine mögliche Verhaltensänderung ein wirkliches Werk der Barmherzigkeit. Weil eine solche Zurechtweisung den anderen nicht verurteilt, sondern ihm hilft in seiner Persönlichkeitsentwicklung zu reifen. Eine solche Zurechtweisung ist ein Werk der Barmherzigkeit, weil es sich dazu eignet, Frieden und Solidarität in der Gemeinschaft zu stärken.

So gesehen sollten wir uns trauen, „Sünder zurechtzuweisen“, um dadurch an einem guten Zusammenwachsen der Dienstgemeinschaft zu arbeiten und sei es nur durch den Hinweis, dass die Erwiederung eines Grußes eine große Wertschätzung des Grüßenden darstellt.

Ihre Schwester M. Katharina

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