Blog St. Vincenz

Monatsimpuls

Von Schwester M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Sie diese Zeilen lesen, dann hat bereits der Frühling begonnen. Die Natur erscheint in frischem Grün. Die Bauern bringen die erste Saat auf die Felder, Pflanzen und Tiere erwachen aus ihrer Winterruhe.

Es soll uns ein Wort von Franklin D. Roosevelt begleiten.

„Tu, was du kannst, mit dem, was du hast und dort, wo du bist.“

Wieder so eine „Binsenweisheit“ werden vermutlich einige von Ihnen denken und ganz ehrlich, beim ersten Lesen habe ich das auch gedacht. Beim Nachdenken darüber, warum ein solches Wort seinen Platz in einem Kalender gefunden hat, ist mir aber bewusstgeworden, dass in diesem Satz eine ganz große Lebenserfahrung ausgesprochen ist.

Viele Menschen in unserer Zeit fühlen sich ausgebrannt, weil sie immer mehr tun wollen, als sie können. Unserer menschlichen Kraft und unseren Fähigkeiten sind jedoch Grenzen gesetzt. Wenn wir dies akzeptieren können wir ganz viel Energie sparen, die wir dann in voller Gänze für das uns mögliche einsetzen können. Ebenso ist uns Menschen zu eigen, dass wir immer mehr und mehr haben wollen, auch über das Maß hinaus, das wir brauchen. Der evangelische Rat der Armut, dem wir Ordensschwestern verpflichtet sind, will eine Antwort darauf sein, dass nicht das Streben nach Besitz und Reichtum im Sinnzentrum des Lebens steht. Dieser evangelische Rat, ist jedoch nicht nur für Ordensleute von Bedeutung. Wenn ich mich auf die Kräfte, Mittel, Fähigkeiten konzentriere, die mir gegeben sind, kann ich auch Möglichkeiten entdecken sie für das Wichtige einzusetzen.

Der heilige Vincenz ist bei der Gründung all seiner Werke nicht zuerst der Frage nachgegangen: „Was brauche ich, um dieses Werk zu tun.“ Vielmehr hat er darauf geschaut, was er schon an Mitteln oder auch an Menschen hat, die ihn unterstützen, um auf eine bestimmte Not eine Antwort zu geben. Auch der dritte Teil des Satzes von Franklin D. Roosevelt birgt eine Wahrheit in sich, die in Deutschland besonders sichtbar wird. Es gibt viele Menschen, die für Hilfsprojekte im Ausland viele Spenden geben, oftmals wird die Not vor der eigenen Haustür aber nicht wahrgenommen.

Ich glaube, dass es sich wirklich lohnt den Satz von Roosevelt ins alltägliche Leben zu holen:

„Tu, was du kannst, mit dem, was du hast und dort, wo du bist.“

Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei, die Richtigkeit dieser Worte zu erfahren.

Ihre

Schwester M. Katharina

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