Blog St. Vincenz

Monatsimpuls - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

Die Bauern haben einen Großteil ihrer Ernte eingefahren. In der Kirche feiern wir das Erntedankfest und auch sonst ist der Monat Oktober von Reifen und Ernte geprägt. In den Krankenpflegschulen begannen neue Ausbildungskurse.

Im Monat Oktober möchte ich in meinem Impuls an ein Fest in den Blick nehmen, dass wir ganz zu Beginn dieses Monats feiern, das Schutzengelfest.

Viele Menschen, selbst wenn sie nicht an Gott glauben, glauben an himmlische Mächte, die ihnen in schwierigen und gefahrvollen Situationen beistehen. Diese Schutzgeister werden nicht nur im Christentum als Engel bezeichnet.

Die Engel haben in Literatur und Kunst auch in unseren Tagen Hochkonjunktur.

Es gibt sie in allen Größen und Formen als Figuren zu kaufen. Manche sind kitschig und klischeehaft, manche Darstellungen auch kunstvoll und ansprechend.

Der Glaube an Engel ist in beiden Teilen der Bibel bezeugt. Insgesamt gibt es im Alten- und Neuen Testament 325 Stellen, an denen von Engeln und deren Wirken die Rede ist.

Uns Ordensschwestern begegnen die Engel regelmäßig im Stundengebet, weil in den Psalmen des Alten Testaments ihr Wirken eine große Rolle spielt:

„Der Engel des Herrn umschirmt alle, die ihn fürchten und ehren, / und er befreit sie.“ (Ps 34,8)


„Lobt den Herrn, ihr seine Engel, / ihr starken Helden, die seine Befehle vollstrecken, / seinen Worten gehorsam! (Ps 103,20)
Lobt ihn, all seine Engel, / lobt ihn, all seine Scharen; (Ps 148,2)

Auch Jesus bestärkt seine Jünger im Glauben an das Wirken der Engel.

„Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben,“ (Mt 13,41)


„Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.“ (Mt 18,10)


„Und er sprach zu ihm: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel geöffnet und die Engel Gottes auf- und niedersteigen sehen über dem Menschensohn.“ (Joh 1,51)


Die genannten Beispiele aus der Heiligen Schrift verdeutlichen, dass Engel auch zur Wirklichkeit unseres Lebens gehören. Vom Ursprung des Christentums bis in unsere Zeit gehört es zur Glaubenslehre, dass jedem Menschen von Gott ein Schutzengel zur Seite gestellt ist, der ihn vor Gefahren oder auch vor der Sünde schützen soll.

Vielleicht erinnert sich die eine oder andere von Ihnen an Situationen in ihrem Leben, wo Sie das Gefühl hatten, dass Sie einen Engel an Ihrer Seite hatten.

Im vergangenen Jahr, als ich mit meinen Geschwistern auf dem Jakobsweg unterwegs war, hatte ich eine solche Erfahrung. Meine Geschwister waren schon ein paar hundert Meter vorausgegangen. Der Weg auf dem wir gepilgert sind, war an dieser Stelle besonders steil und steinig. In unmittelbarer Nähe von mir waren keine Pilger unterwegs. Plötzlich gab die Halterung meines rechten Wanderstocks nach und der Stock schob sich zusammen. Dadurch bekam ich auf der rechten Seite Übergewicht und fiel auf meinen Rücken. Da ich auf dem Rücken einen 10 kg schweren Rucksack hatte, war ich nicht in der Lage allein aufzustehen. Plötzlich stand wie aus heiterem Himmel eine Frau, die nach einer Südamerikanerin aussah, vor mir und half mir ganz selbstverständlich auf die Füße. Als ich dann stand und den Staub von meiner Kleidung entfernte, war die Frau so schnell, wie sie gekommen war auch wieder verschwunden.

Eine viertel Stunde später traf ich dann meine Geschwister wieder, die inzwischen auf mich gewartet hatten. Die Frau, die mir geholfen hat, habe ich auf dem weiteren Weg nicht mehr gesehen, aber auch bei meinen Geschwistern, denen ich davon erzählt habe, war sie nicht vorbeigekommen.

Diese Situation hat mir deutlich gemacht, dass Gott uns in schwierigen oder sogar ausweglosen Situationen nicht allein lässt. Ohne die Hilfe dieser Frau hätte ich nicht aufstehen können.

Seit diesem Erlebnis glaube ich, dass es gut ist immer wieder die Nähe zu meinem Schutzengel zu suchen.

Ein kurzes Gebet zum Schutzengel kann uns in diesem Monat besonders begleiten und dabei helfen an diesen besonderen Begleiter unseres Lebens zu denken.

Engel Gottes,
mein Beschützer,
Gott hat dich gesandt, mich zu begleiten.
Erleuchte, beschütze, leite und führe mich.
Amen.


Mein Erlebnis aus dem letzten Jahr zeigt, dass auch Menschen uns manchmal zum Engel werden können. Und vielleicht haben Sie es auch schon zu jemandem gesagt: „Du bist ein Engel.“ Oder vielleicht hat auch Ihnen schon einmal jemand gesagt: „Du bist ein Engel.“

Es könnte ja sein, dass wir füreinander zu Engeln bestimmt sind. Es wäre sicherlich eine Bereicherung für uns alle, wenn wir diesem Gedanken einmal nachspüren würden.

Ihre Schwester M. Katharina

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