Blog St. Vincenz

Monatsimpus November - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

Sehr geehrte, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

in den November sende ich Ihnen ganz herzliche Grüße mit dem Wunsch, dass Gottes Segen Sie an allen Tagen des neuen Monats begleiten möge. Der November ist der Monat, in dem wir traditionell unserer Toten gedenken.  Im November steigen aber auch bei manchen Menschen leicht depressive Gefühle aufk, weil die Tage dunkler werden, die Sonne weniger scheint und es mehr Regentage gibt.
Im Rückblick auf den Monat Oktober, in dem wir Erntedank gefeiert haben und Gott gedankt und gepriesen haben für alle guten Gaben, die er uns geschenkt hat, wird uns aufgezeigt, dass wir immer Wahlmöglichkeiten haben, um unser Leben in den Blick zu nehmen.
Im November möchte ich mit Ihnen deshalb die alte Weisheit bedenken:

„Jammern füllt keine Kammern.“

Wir Deutschen sind dafür bekannt, dass wir ein Volk sind, dass sich darauf versteht auf ganz hohem Niveau zu jammern.
Und ja, wenn man will gibt es immer etwas, worüber man jammern und klagen kann. Für einen ist die eigene fehlende Gesundheit ein Thema, das ihn oder sie jammern lässt. Andere jammern über die Unfähigkeit von Vorgesetzten oder Politikern. Wieder andere über die so ungerechten Verhältnisse in der Welt. Noch andere finden, dass die Zeiten früher doch viel besser waren. Und für manche ist auch das Essen, das entweder nicht ausreicht oder nicht schmeckt ein Grund zu jammern.

Unsere Vorfahren, die diesen Satz geprägt haben: „Jammern füllt keine Kammern.“ scheinen gewusst zu haben, dass sich Jammern und sich ständig wiederholende negative Aussagen auch schädlich auf die Gesundheit unseres Körpers auswirken.
Es gibt wissenschaftliche Studien die besagen, dass ständig wiederholte negative Äußerungen unser Gehirn zu negativen Gedanken erziehen. Außerdem haben Forscher festgestellt, dass häufiges Jammern vergesslich macht.
Jammern und negative Äußerungen wirken sich aber auch negativ auf unser Immunsystem aus und erhöhen die Gefahr für bestimmte Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder des Stoffwechsels.

Außerdem gefährdet jemand der viel damit beschäftigt ist zu Jammern auch die Gesundheit seiner Mitmenschen.

Gerade im Krankenhaus habe ich manchmal das Gefühl, dass dort gerade auch unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gern viel und oft gejammert wird. Dem einen ist die Arbeit zu stressig, der andere weiß, dass das Personal zu knapp ist. Wieder anderen fehlt die Zeit für die Patienten und noch anderen fehlt es an Menschlichkeit und Barmherzigkeit.

Sicherlich sind all das Gründe zum Jammern und Klagen. Man sollte sich nur nicht darin verlieren und in eine Opferrolle hineinmanövrieren aus der es keinen Ausweg gibt.

Denn wie schon dieser Weisheitsspruch aussagt: „Jammern füllt keine Kammern.“ Psychologen haben herausgefunden, dass Menschen, die häufig jammern, eigentlich an ihrem Leben nichts verändern wollen. Im Jammern und Klagen konzentrieren sie sich nur auf die Dinge, die in ihrem Leben nicht gut sind und verlieren den Blick für die Möglichkeiten, die jedem Menschen gegeben sind.
Jammern und Klagen ist wie das Sitzen in einem Schaukelstuhl. Man verbraucht Energie um den Stuhl in Bewegung zu halten, bewegt sich letzten Endes aber nicht vom Fleck.
Ständiges Jammern und Klagen führt zu einer Verstärkung von negativen Gefühlen wie Trauer, Wut, Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit.

Wenn uns die Volksweisheit sagt: „Jammern füllt keine Kammern.“
heißt das letztendlich, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat seinem Leben eine entscheidende Wende zu geben.

Das Gegenteil von Jammern und Klagen sind Dankbarkeit und Mut. Wer dankbar in sein Leben schaut, der verschließt nicht die Augen vor dem, was nicht gut war oder ist. Der dankbare Mensch erkennt aber in allem Versagen und Nichtgelingen auch die Chancen, die das Leben mit sich bringt. Er sieht, das in jeder Niederlage die Möglichkeit liegt, daraus zu lernen und im Leben echte Fortschritte zu machen. Ein Mensch, der aus der Haltung der Dankbarkeit lebt, sieht viele Dinge, die von anderen übersehen werden. Aus der Haltung der Dankbarkeit kann Mut erwachsen und Hoffnung.

Wenn Sie im Monat November über das Sprichwort nachsinnen:
„Jammern füllt keine Kammern.“ dann schauen Sie einmal auf die Dinge mit denen Sie zufrieden sind.
Für was oder für wen können und dürfen Sie von Herzen dankbar sein?

Für den Monat November wünsche ich Ihnen und Ihren Lebensumwelten ganz viele Gespräche über alle guten Gaben und Möglichkeiten, die Ihnen und uns allen von Gott geschenkt sind und die Ihnen wie Licht im Leben aufleuchten.
Und wenn Sie in die Versuchung geraten sollten, im Jammern und Klagen zu verweilen, über über zu viel oder zu wenig Arbeit, über undankbare Patienten, über unmögliche Kollegen, über unfähige Vorgesetzte, über die Sünden der Kirche, über ungerechte Politik oder über Gott und die Welt, dann suchen Sie jeden Tag neu danach zu fragen: Was war heute gut? Was ist mir gelungen? Woran habe ich Freude? Sie werden sicherlich ganz schnell die Erfahrung machen, dass das Ihrem Leben neuen Antrieb verleiht. Und vielleicht weisen Sie sich und Ihre Kollegen auch gegenseitig darauf hin, wenn Ihnen etwas wirklich gut gelungen ist. Schlagen Sie sich ab und zu auch mal selbst auf die Schulter, weil Sie Ihre Arbeit richtig gut machen.
Und wenn etwas Ihren Vorstellungen nicht entspricht, dann fragen Sie danach, was Sie dazu beitragen können, dass sich Zustände verbessern können.
Mit dem Gebet der Gelassenheit wünsche ich Ihnen allen Gottes Segen und eine gute Zeit.

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


Ihre Schwester M. Katharina


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