Blog St. Vincenz

Monatsimpuls Oktober - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

Monatsimpuls Oktober

Der Monat Oktober ist in der katholischen Kirche in besonderer Weise Maria der Königin des Rosenkranzes gewidmet.
Am 7. Oktober feiert die Kirche seit dem Jahr 1581 das Rosenkranzfest, dass an den Sieg christlicher Truppen über eine Übermacht der Türken bei der Seeschlacht von Lepanto erinnert.
Damals wurde Europa vom osmanischen Reich bedroht. Viele einzelne Staaten hatten herbe militärische Niederlagen hinnehmen müssen. Deshalb besannen sich die christlichen Nationen auf eine Wahrheit, die ich mit Ihnen in diesem Monat betrachten möchte.

„Einigkeit macht stark.“

Unter der Führung von Juan de Austria vereinigten sich christliche Kämpfer aus ganz Europa und zogen gemeinsam in eine Schlacht in der sich 211 christliche Schiffe und über 260 türkische Schiffe gegenüberstanden. Die Seeschlacht von Lepanto war die erste Schlacht, die christliche Truppen gegen bis dahin unbesiegbare Osmanen gewonnen haben. Dem gemeinsamen Rosenkranzgebet aller Christen, zu dem der damalige Papst Pius V. aufgerufen hatte, wurde eine einende und stärkende Wirkung zugeschrieben.

 „Einigkeit macht stark.“

Es gibt über das Beispiel der Seeschlacht von Lepanto noch viele Beispiele aus dem geschichtlichen Kontext, wo sich das „Credo“ „Einigkeit macht stark“ bewahrheitet. Nach dem zweiten Weltkrieg besannen sich Politiker wie Konrad Adenauer und Robert Schumann darauf, dass man miteinander viel mehr Gutes bewirken kann als gegeneinander und legten mit ihrer Politik den Grundstein zur Europäischen Gemeinschaft.
In der heutigen Politik werden leider andere Töne angeschlagen. Aus Amerika dringt der von Präsident Trump herausgegebene Slogan „Amerika first“. Mit Großbritannien tritt erstmals ein Land aus der Europäischen Union aus. Aus der Berichterstattung zu den Austrittsverhandlungen wird deutlich, dass die Briten die wirtschaftlichen Vorteile der Union zu schätzen wissen. Diese wollen sie über ihren Austritt hinaus auch für sich bewahren. Mit dem Austritt wollen sie jedoch die solidarische Gemeinschaft mit den schwächeren EU – Staaten aufkündigen. Die Ursprungsidee der Gründerväter der EU war jedoch darauf angelegt, durch den Zusammenschluss der Staaten die vorhandenen Stärken zu stärken und sich gegenseitig zu helfen, die bestehenden Schwächen zu überwinden.

Doch nicht nur in Politik und Geschichte ist bekannt, dass Einigkeit stark macht. Als die Pharisäer behaupten Jesu treibe mit Hilfe von Beelzebul dem Anführer der Dämonen Dämonen aus, antwortet er ihnen: „Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.“ (Mk 3,23 – 25)
Diesen Satz Jesu können wir in vielen Beispielen aus unserem Alltag verwenden:

z. B. Wenn eine Regierung in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Wenn eine Partei in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Wenn ein Unternehmen in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Abteilung in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben. Wenn eine Gemeinschaft in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben…

„Einigkeit macht stark.“

Mit der Erfahrung dieses Wissens haben Vincenz von Paul und Louise von Marillac Gemeinschaften gegründet und im 17. Jahrhundert eine Sozialreform in Frankreich ins Leben gerufen, die ihresgleichen heute noch sucht. In zahlreichen Briefen an ihre Schwestern spricht Louise von Marillac von der Bedeutung der Einheit, um den Dienst an den Armen gut zu tun.
In Ihrem geistlichen Testament schreibt sie: „Üben Sie den Armendienst sehr sorgfältig aus. Leben sie vor allem in großer Einheit und Herzlichkeit zusammen.“

Im Alltag eines Krankenhauses gibt es viele Gelegenheiten die Einheit untereinander zu leben:
Als Einheit zwischen den verschiedenen Berufsgruppen, die alle am gemeinsamen Ziel der Wiederherstellung der Gesundheit unserer Patienten oder der Linderung der Leiden arbeiten. Als Einheit zwischen den einzelnen Fachabteilungen, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten ihre je eigenen Stärken zum Wohl des Großen und Ganzen einbringen können. Als Einheit innerhalb einer Abteilung oder einer Station, wo die Arbeit zum Wohl der anvertrauten Menschen nur gelingen kann, wenn die Arbeit von Ärzten, Pflege- und Servicekräften zu einem Gesamtgefüge wird.

Ihnen allen wünsche ich  viele Gelegenheiten wo sie für sich persönlich aber auch für Ihre Arbeit im Krankenhaus erfahren: „Einigkeit macht stark.“


Ihre Schwester M. Katharina

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