Blog St. Vincenz

Herzen lindern Schmerzen

Renate Grewe, Initiatorin der „Herzkissengruppe Brenken“, näht schon seit dem Jahr 2012 zusammen mit vielen anderen Frauen ehrenamtlich Herzkissen für Brustkrebspatientinnen. Mittlerweile wurde schon das 5000. Herzkissen genäht.

"Herzen lindern Schmerzen"

Unter diesem Motto hat sich in Brenken im Jahr 2012 eine Gruppe von Frauen zusammengefunden, die ehrenamtlich Herzkissen für Brustkrebspatientinnen nähen.

In vielen Kliniken bekommen Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind und operiert werden müssen, direkt nach der Operation sogenannte Herzkissen geschenkt. Diese Kissen dienen als therapeutisches Lagerungskissen, lindern den Wundschmerz und spenden etwas Trost in der schweren Zeit nach der Operation. Die Patientinnen dürfen das Kissen bei der Entlassung mit nach Hause nehmen. 

Denn auch bei einer anschließenden Chemotherapie oder Bestrahlung ist ein solches Kissen noch sehr nützlich.

Angestoßen wurde die Aktion in Brenken, als mich die an Brustkrebs erkrankte Freundin meiner Mutter fragte, ob ich von solchen speziell geformten Herzkissen schon gehört hätte und ihr vielleicht ein solches Kissen nähen könnte. Nähen gehört schon seit vielen Jahren zu meinen bevorzugten Hobbies und so beschloss ich, sofort mehrere Herzkissen zu nähen und einige dem Brustzentrum im Haus Louise zu spenden. Ich dachte 10 oder 15 Herzkissen würden erstmal für eine gewisse Zeit reichen …
Als ich Irene Slavik, die Breast Care Nurse, anrief und fragte, ob sie einige dieser Kissen brauchen könne, freute sie sich sehr und bejahte meine Frage. Auf meine Frage, wie viele sie denn genau brauche, entgegnet sie, dass es so ca. 350 pro Jahr seien! Ich musste erstmal schlucken, denn eine so hohe Anzahl hatte ich nicht erwartet.

Die Idee ging mir jedoch nicht aus dem Kopf und so beschloss ich, mir Verstärkung zu suchen. Nach Rücksprache mit dem Pfarramt und der örtlichen Caritas war geklärt, dass ich das Pfarrheim nutzen durfte und die Caritas mich unterstützt. Fehlte nur noch das Wichtigste: die fleißigen, helfenden Hände ? denn alleine wäre es nicht zu schaffen gewesen. Einem Aufruf im örtlichen Pfarrzettel kamen direkt beim ersten Treffen 17 motivierte Frauen nach. Nach kurzer Einweisung legten wir los: Form aufzeichnen, zuschneiden, nähen, wenden, bügeln, ausstopfen und Wendeöffnung verschließen. Innerhalb von 3 Stunden waren die ersten 120 Herzkissen fertig. Ein Ergebnis, das uns ziemlich begeisterte, und wir beschlossen, ein solches Treffen möglichst bald zu wiederholen.
Nun musste die Finanzierung irgendwie gewährleistet werden. Fünf der Frauen erklärten sich bereit, sich mit mir zusammen an der Organisation einer festen Gruppe zu beteiligen. Wir trafen uns und überlegten, wo wir Spenden auftreiben könnten. In den darauffolgenden Wochen veranstalteten wir Tortenbuffets, Waffelbackaktionen und Verkaufsstände bei Konzerten. Das brachte uns eine Basis ein, mit der wir arbeiten konnten und den nächsten Treffen stand nichts mehr im Wege.

Ursprünglich wollten wir uns alle 2 bis 3 Monate treffen. Damit wäre dann der Jahresbedarf an Herzkissen für das Brustzentrum in Paderborn gedeckt gewesen. Die Helferinnen der Gruppe, deren Anzahl stetig wuchs, waren jedoch so engagiert, dass sie sich öfter treffen wollten. Somit beschloss das Organisationsteam, eine zweite Klinik mit Herzkissen zu versorgen. Wir sprachen das Brustzentrum im Klinikum Bielefeld Mitte an und unser Angebot wurde begeistert angenommen. Also lautete unsere Agenda nun, alle 6 bis 8 Wochen ein Treffen zu organisieren, ca. 700 Herzkissen pro Jahr zu produzieren und zu finanzieren.

Unsere Aktion sprach sich rum und immer öfter bekamen wir auch Sachspenden in Form von Baumwollstoffen angeboten. Gelegentlich hatten die Stoffe Kindermotive und wir waren uns einig, dass wir diese nicht zu Herzkissen für Erwachsene, sondern irgendwie für Kinder verarbeiten wollten. Im Internet lasen wir von anderen Organisationen, die Osterkörbchen für kranke Kinder nähen. Schnell wurde das Schnittmuster besorgt und eine Ansprechpartnerin in der Kinderklinik gesucht. Frau Glahe von der Spieloase in der Frauen- und Kinderklinik St. Louise freute sich über unsere Idee und meinte, sie könne ca. 50 solcher Körbchen pro Jahr gebrauchen. 2014 nähten wir dann erstmalig auch 50 Nikolaussocken für die Kinder in der Kinderklinik, die der Nikolaus mit Schokolade befüllt an die Kinder verteilte. Nähtreffen für Osterkörbchen und Nikolaussocken gehören seitdem zum festen Programmpunkt im Jahr.
Mittlerweile gibt es unsere Gruppe seit über 6 Jahren. Die Anzahl der Helferinnen ist auf 35 gestiegen und wir alle sind nach wie vor sehr motiviert. Wir treffen uns 9 Mal pro Jahr.

Bei unserem letzten Treffen habe wir unser 5000. Herzkissen gefeiert, wobei wir uns bewusst sind, dass hinter jedem verschenkten Herzkissen auch ein Einzelschicksal steht. Manchmal bekommen wir Rückmeldungen von den Patientinnen, die das Herzkissen als „Tröster in schweren Stunden“, „ständigen Begleiter“, „hilfreiche Stütze“ oder sogar als „Schokolade für die Seele“ beschreiben. In den Rückmeldungen sind die Patientinnen sehr dankbar und froh, dass es Menschen gibt, die an sie gedacht haben, ohne sie persönlich zu kennen. Daraus schöpfen wir Kraft und die Motivation mit der Herzkissenaktion auf jeden Fall weiterzumachen, denn:
Herzen lindern Schmerzen und jedes Kissen hilft!

Renate Grewe

Termine, aktuelle Informationen und Bilder finden Sie unter:

www.herzen-lindern-schmerzen.de

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