Blog St. Vincenz

Monatsimpuls Juli- ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

Ihnen allen sende ich ganz herzliche Grüße. Während Sie diesen Impuls zugesandt bekommen, bin ich noch auf der letzten Wegstrecke meines Pilgerweges nach Santiago de Compostela.

Bei der Vorbereitung zu dieser Reise ist mir das Sprichwort in den Sinn gekommen:

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“

Dieses Sprichwort möchte ich deshalb mit Ihnen im Monat Juli bedenken:

Als Menschen sind wir mit unserem Leben hineingestellt in Raum und Zeit. Und jeder von Ihnen wird schon einmal die Erfahrung gemacht haben, dass es vertane Chancen gibt, dass Dinge, die man sich vornimmt und nicht sofort ausführt, oftmals später nicht mehr getan werden können.

Auch im Krankenhausalltag gibt es viele Situationen, wo Chancen ungenutzt bleiben.
Ein nicht ausgesprochener Gruß. Eine fehlende Anerkennung für gute Leistungen oder auch der Verzicht auf ein angebrachtes aufmerksam machen für notwendige Korrekturen.
Irgendwo und irgendwie finden sich immer gute Gründe etwas nicht zu tun.

Aloys Albrecht hat in einem Text zu einem von Ludger Edelkötter vertonten modernen Kirchenlied einmal die Beziehung zwischen Gott und den Menschen unter diesem Gesichtspunkt betrachtet.
Diese Beziehung ist nichts Unpersönliches, sondern hat immer mit unseren Beziehungen untereinander zu tun.
Der Liedtext lautet:


Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde. Heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt.
1) Der Herr wird nicht fragen: Was hast du gespart, was hast du alles besessen?
Seine Frage wird lauten: Was hast du geschenkt, wen hast du geschätzt um meinetwillen?
2) Der Herr wird nicht fragen: Was hast du gewusst, was hast du Gescheites gelernt?
Seine Frage wird lauten: was hast du bedacht, wem hast du genützt um meinetwillen?
3) Der Herr wird nicht fragen: Was hast Du beherrscht, was hast Du Dir unterworfen?
Seine Frage wird lauten: Wem hast Du gedient, wen hast du umarmt, um meinetwillen?
4) Der Herr wird nicht fragen: Was hast Du bereist, was hast Du Dir leisten können?
Seine Frage wird lauten: Was hast Du gewagt, wen hast Du befreit um meinetwillen?
5) Der Herr wird nicht fragen: Was hast Du gespeist, was hast Du Gutes getrunken?
Seine Frage wird lauten: Was hast Du geteilt, wen hast du genährt um meinetwillen?
6) Der Herr wird nicht fragen: Was hast Du geglänzt, was hast Du Schönes getragen?
Seine Frage wird lauten: Was hast Du bewirkt, wen hast Du gewärmt um meinetwillen?
7) Der Herr wird nicht fragen: Was hast Du gesagt? Was hast Du alles versprochen?
Seine Frage wird lauten: Was hast Du getan, wen hast Du geliebt um meinetwillen?
8) Der Herr wird nicht fragen: Was hast Du erreicht, was hast Du Großes gegolten?
Seine Frage wird lauten: Hast du mich erkannt? Ich war dein Bruder um deinetwillen!
Auf den Krankenhausalltag bezogen könnte die Frage nach der vertanen Zeit auch lauten:

Wie hast Du Dich eingebracht mit deinen Möglichkeiten heute und jetzt um an der Fortentwicklung des Ganzen zu arbeiten? Oder hast Du nur Deine eigene kleine Welt gesehen, Deine Abteilung, Deine Station, Deinen Fachbereich? Hast Du nur an den jeweils anderen Akteur im Getriebe Krankenhaus Erwartungen, was Er/Sie tun muss, damit der Betrieb funktioniert, damit schwarze Zahlen geschrieben werden oder bist Du bereit nach Deinen Möglichkeiten Dich einzubringen, auch wenn zeitweilig dabei Deine eigenen Interessen unberücksichtigt bleiben?

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“

Heißt es im Sprichwort. Dabei wird nicht gesagt, was der andere kann heute besorgen, sondern was du heute kannst besorgen. Jeder und jede ist damit angesprochen und gemeint.
Dort wo viele positive Kräfte zusammenfinden und ihre Ideen miteinander verschmelzen, kann viel Gutes entstehen. Ihnen allen wünsche ich alle Gaben von Gottes Geist wenn Sie im beruflichen oder auch im privaten Umfeld darüber nachdenken: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!“


Ihre Schwester M. Katharina

  •  
  • 0 Kommentare
  •  

Mein Kommentar

Ich möchte über jeden weiteren Kommentar in diesem Post benachrichtigt werden.