Blog St. Vincenz

Monatsimpuls Juni - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

Herzliche Grüße sende ich Ihnen allen. Einige von Ihnen werden, so wie ich, diesen ersten sommerlichen Monat nutzen, um in Urlaub zu gehen.
Ich freue mich auf meine Ferien, die ich in diesem Jahr mit meinen beiden jüngeren Geschwistern vom 18. Juni – 04. Juli auf dem Jakobsweg in Spanien verbringen werde.

Im Juni möchte ich mit Ihnen das folgende Sprichwort bedenken:

„Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“

Viele unserer gebräuchlichen Sprichwörter gebrauchen Bilder, um ihre Aussage begreiflich zu machen. So ist es auch beim Sprichwort dieses Monats.

Als Kinder sind meine Geschwister und ich fast jeden Sonntag mit unseren Eltern wandern gegangen. Dabei gab es unterschiedliche Ziele. Mal sind wir zu den Großeltern ins benachbarte Dorf gegangen. Sehr oft sind wir, vor allem in den Sommermonaten, zur Wallfahrtskapelle Klüschen Hagis gewandert. Immer führte uns dabei der Weg durch den Wald.

Der Wald ist ein besonderer Ort, um für Geräusche empfänglich zu sein. Wenn dort nicht geredet wird, ist die Ruhe des Waldes sehr greifbar. Es ist still und doch nicht still. Man hört Vögel zwitschern, Zweige knacken oder sogar das fast lautlose Fortbewegen von kleineren Waldbewohnern wie Eidechsen oder Mäusen.

Als Kinder haben wir uns immer einen Spaß daraus gemacht, in den Wald hineinzurufen, um dann das zurückkommende Echo zu hören. Manchmal wurde dieses Echo dann auch übertönt vom Ruf eines Eichelhähers, der Polizei des Waldes, der seine Waldmitbewohner auf das Eindringen von Fremdlingen aufmerksam gemacht hat.

Das Sprichwort: „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, ist also als Metapher geradezu prädestiniert, um uns etwas über die menschliche Kommunikation zu sagen.

Wenn wir als Kinder in den Wald hineingerufen haben, dann kam genau dieser Ruf als Echo auch wieder heraus. Ebenso geschieht es in der menschlichen Kommunikation.
Daher ist es nicht egal, wie oder was man redet.

Auch beim heiligen Vincenz finden wir gute Anregungen, die man durch die Lupe des Sprichwortes: „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, betrachten kann.
•    Freundlichkeit, löst Schwierigkeiten.
•    Gewöhne dich daran, Dinge und Menschen immer und in jedem Fall nach ihrer guten Seite hin zu beurteilen.
•    Wer seinen Mitmenschen hoch achtet und ihm sehr gewogen ist, wird der wohl übel von ihm reden können?
•    Solange sie sich gegenseitig Achtung und Sanftmut bezeigen, wird ihr Haus ein Paradies sein.
•    Freundlichkeit ist die Seele einer guten Unterhaltung; sie macht das Gespräch nicht nur nützlich, sondern vor allem angenehm.
In der Kommunikation unserer Gesprächspartner spiegelt sich in ganz vielen Fällen die eigene Art zu kommunizieren wider.

Menschen denen man freundlich und höflich begegnet, werden nur in ganz wenigen Fällen nicht ebenfalls freundlich und höflich sein.
Vieles in unserer alltäglichen Kommunikation geschieht oft nicht einmal bewusst. Man fühlt sich gestresst, glaubt keine Zeit zu haben, ist von den Aufgaben überfordert und schon ergibt ein Wort das andere. In solchen Situationen kann man sehr häufig die Erfahrung machen, dass Menschen, denen man begegnet, ebenfalls unleidlich und überfordert oder auch unfreundlich agieren.

Das Sprichwort: „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, kann uns dabei helfen, etwas aufmerksamer darauf zu achten, wie wir andere ansprechen, was wir über andere denken und wie hochachtungsvoll oder auch unachtsam wir unserem Gegenüber begegnen.

Ich wünsche Ihnen allen ganz frohe Begegnungen  und ein gutes Echo auf alles, was Sie in diese Begegnungen einbringen.

Ihre Schwester M. Katharina

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