Blog St. Vincenz

Monatsimpuls Mai - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus.“ „Alles neu macht der Mai.“ Viele Redewendungen unseres Alltags, die sich mit dem Monat Mai beschäftigen, sprechen davon, dass gerade im Monat Mai neues Leben beginnt, Knospen aufbrechen, die Natur anfängt, neues Leben hervorzubringen.

Deshalb möchte ich in diesem Monat mit Ihnen eine Redewendung betrachten, die vom Anfangen spricht.

 „Aller Anfang ist schwer.“

In der ein oder anderen Weise mag jede/r von Ihnen schon einmal diese Erfahrung gemacht haben. Weil wir im tiefsten Inneren wissen, dass dieses Sprichwort wahr ist, tun wir uns sehr oft schwer damit etwas Neues anzufangen.

Und doch sind es die Neuanfänge, die Fortschritt erst ermöglichen. Viele Erkenntnisse auch in den Bereichen Medizin und Pflege gäbe es heute nicht, wenn nicht irgendwann Menschen damit begonnen hätten, von Althergebrachtem abzulassen und Neues anzufangen.

Anfangen ist vor allen Dingen deshalb schwer, weil man Gewohntes nicht gerne sein lässt oder weil wir Menschen einfach nur Sicherheit haben wollen. Wenn erste Schritte getan sind, um Neues zu gestalten merken wir manchmal erst, dass die „gute, alte Zeit“ gar nicht so gut war, wie wir sie teilweise glorifizieren.

 Einen ganz anderen Ansatz als: „Aller Anfang ist schwer“, findet Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“. Dort heißt es:

 

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen.

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Ich wünsche einer/einem jeden von Ihnen, dass Sie alle Abschiede und Neuanfänge die in diesem Leben noch auf Sie warten, im Lichte dieser verdichteten philosophischen Sicht betrachten können und in jedem Abschied und Anfang den Zauber erblicken, der jedem Anfang innewohnt und der nach Hesses Worten „… uns beschützt und uns hilft zu leben.“

Im Monat Mai fahren wir wieder mit 50 Mitarbeiter/innen aller drei Betriebsstätten nach Paris auf den Spuren des hl. Vincenz. Alle, die nicht mitfahren, nehmen wir in unseren Gebeten mit auf diese Wallfahrt. Ihnen allen wünsche ich eine frohe und gesegnete Zeit.

Ihre

Schwester M. Katharina

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