Blog St. Vincenz

Impuls des Monats April - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

Der Monat April begann in diesem Jahr mit der Feier des Osterfestes. Ostern freuen wir Christen uns darüber, dass Jesus Tod und Grab überwunden hat und uns unvergängliches Leben schenken will.

Vor dem Osterfest haben wir in der Karwoche intensiv des Leidens Jesu gedacht. Wir sind im Evangelium den schlafenden Jüngern am Ölberg begegnet und haben Jesu Frage an sie vernommen: „Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen?“ (Mt 26,40)
Vielleicht haben Sie ja, genau wie ich, die große Enttäuschung Jesu aus dieser Frage herausgehört darüber, dass seine besten Freunde scheinbar keinen Anteil an seiner Angst genommen haben.

In der Feier der Kar- und Ostertage liegen Leid und Freude ganz dicht beieinander; deshalb möchte ich im Monat April mit Ihnen einige Gedanken zu dem Sprichwort teilen:

„Geteiltes Leid ist halbes Leid – geteilte Freude ist doppelte Freude.“

Objektiv betrachtet klingt dieses Sprichwort paradox. Zwei Dinge mit denen das Gleiche geschieht – man teilt sie. Das Resultat dieser Teilung kann jedoch unterschiedlicher nicht sein.
Während das Leid, durch die Teilung halbiert wird, wird die Freude durch die Teilung verdoppelt, so sagt es das Sprichwort. Mathematisch gesehen ist eine solche Rechnung völlig unmöglich.

Diese so unmögliche Gleichung, die uns dieses Sprichwort vor Augen stellt, konfrontiert uns mit einer tiefen Erfahrung menschlicher Wirklichkeit.

Ein Text von Wilhelm Wilms lässt deutlich werden, welche Wahrheit unser Sprichwort enthält:
wussten sie schon?
wussten sie schon
dass die nähe eines menschen
gesund machen
krank machen
tot und lebendig machen kann

wussten sie schon,
dass die nähe eines menschen
gut machen
böse machen
traurig und froh machen kann

wussten sie schon
dass das wegbleiben eines menschen
sterben lassen kann
dass das kommen eines menschen
einen anderen menschen
wieder aufhorchen lässt
der für alles taub war

wussten sie schon
dass das wort
oder das tun eines menschen
wieder sehend machen kann
einen der für alles blind war
der nichts mehr sah
der keinen sinn mehr sah in dieser welt
und in seinem leben

wussten sie schon
dass das zeithaben für einen menschen
mehr ist als geld
mehr als medikamente
unter umständen mehr
als eine geniale operation
wussten sie schon
dass das anhören eines menschen
wunder wirkt
dass das wohlwollen zinsen trägt
dass ein vorschuss an vertrauen
hundertfach auf uns zurückkommt

wussten sie schon,
dass tun mehr ist als reden

wussten sie das alles schon

wussten sie auch schon
dass der weg vom wissen über das reden
zum tun interplanetarisch weit ist

Auch in den Evangelien, die von der Auferstehung Jesu berichten, erfahren wir davon, dass geteiltes Leid halbes Leid ist und geteilte Freude doppelte Freude. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus teilen ihr Leid und ihre Trauer mit dem Fremden auf dem Weg. Beim Brechen des Brotes erkennen sie Jesus den Auferstandenen. Diese Erkenntnis verleiht ihnen neue Kraft, so dass sie gerade erst am Ziel ihres Weges angekommen, zurücklaufen nach Jerusalem, um den anderen Jüngern von ihrer frohmachenden Begegnung zu berichten. Diese geteilte Freude vervielfältigt sich bis auf den heutigen Tag überall dort, wo Ostern gefeiert wird.

Ganz egal, ob Ihnen im Alltag Trauer oder Freude widerfahren. Erinnern Sie sich an das Sprichwort, das wir in diesem Monat bedenken wollen und teilen Sie Freude oder Leid mit anderen, der Familie, Freunden, Nachbarn oder Kollegen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dabei Menschen begegnen, die dieses Sprichwort zur Wirklichkeit werden lassen.

Ihre
Schwester M. Katharina

  •  
  • 0 Kommentare
  •  

Mein Kommentar

Ich möchte über jeden weiteren Kommentar in diesem Post benachrichtigt werden.