Blog St. Vincenz

Impuls des Monats Januar - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

Hl. Vincenz von Paul


Im letzten Jahr hat die weltweite Vincentinische Familie auf 400 Jahre ihres Gründungscharismas zurückgeschaut. Daher habe ich Ihnen in den letzten 12 Monaten weniger bekannte Vincentinische Selige und Heilige vorgestellt.  In diesem Jahr möchte ich mit Ihnen gemeinsam bekannte Sprichwörter auf ihren Bezug zu unserem alltäglichen Leben betrachten. Viele in unserem Land gebräuchliche Redewendungen und Aphorismen sind mittelbar oder unmittelbar aus der Hl. Schrift entlehnt oder wir erfahren auch ein wenig von ihrem Wahrheitsgehalt im Buch der Bücher.
Im Monat Januar möchte ich das bekannte Sprichwort:

„Allen Menschen Recht getan ist eine Kunst, die niemand kann.“

in den Mittelpunkt meiner Überlegungen stellen.

Vielleicht wird sich die eine oder andere von Ihnen fragen, was soll denn dieser Spruch mit meinem Leben oder auch mit dem Leben in der Gemeinschaft zu tun haben. Das vorgenannte Sprichwort erinnert mich persönlich an einige Situationen in meiner Kindheit, wo trotz guten Willens von meiner Seite von anderen Menschen eine negative Reaktion auf meine Worte oder mein Tun kam.

Wenn ich dann aus lauter Enttäuschung darüber, weinend zu meiner Oma gelaufen bin, hat sie dann sehr oft zur Tröstung dieses Sprichwort gebraucht.

Sie wollte mir damit sagen: es ist wichtig, dass ich mein Bestes gebe, aber was die anderen damit machen, ist dann nicht mehr mein Problem.

Jesus hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Wir alle kennen den Abschnitt aus dem Matthäusevangelium, wo er seine Zuhörer fragt:
„Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die auf dem Marktplatz anderen Kindern zuruft: Wir haben für euch auf der Flöte (Hochzeitslieder) gespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen. Johannes ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, er isst und trinkt; darauf sagen sie: Dieser Fresser und Säufer, dieser Freund der Zöllner und Sünder. Und doch hat die Weisheit durch die Taten, die sie bewirkt hat, recht bekommen“
(Mt 11,16 – 19).

Ich glaube, dass viele Konflikte in Gemeinschaften damit zu tun haben, dass Menschen glauben, sie könnten jedem und jeder alles recht machen. Menschen haben dann ein so großes Harmoniebedürfnis, dass Dinge, die zur Klarstellung von Situation dringend besprochen werden müssten, dann unter den Teppich gekehrt werden, damit ja der andere nicht schlecht von mir denkt.

Unser Sprichwort sagt: „Das ist eine Kunst, die niemand kann“, und weist letztlich darauf hin, dass nicht entscheidend ist, was Menschen von uns denken oder wie unser Handeln bei anderen ankommt.

Wenn das was wir sagen und tun auf positive Resonanz stößt ist es gut, wenn nicht, können wir vom
hl. Vincenz lernen, der uns sagt:
„Da Gott sich mit unserem guten Willen und mit unserem ehrlichen Bemühen begnügt, sollten wir uns auch mit den Endergebnissen, die er gibt, begnügen. Dann würde unser Handeln nie fruchtlos sein.“

Gehen Sie mit dem Sprichwort für diesen Monat einmal ganz bewusst in die Begegnung mit den Menschen in Ihrer Umgebung. Vielleicht hilft er Ihnen, in der einen oder anderen Situation, wo ein Konflikt in der Luft zu liegen scheint, bei sich selber zu bleiben, bei Ihrem guten Willen und sich nicht so sehr davon abhängig zu machen, was der eine oder andere von Ihnen denkt.

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Jahresbeginn und Mut dabei, sich selber treu zu sein

Ihre

Schwester M. Katharina

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