Blog St. Vincenz

Der Notarzt rückt durchschnittlich alle 2 Stunden aus

Leiter Notarztstandort, Dr. Felix Brandt, über die Arbeit der 30 Notärzte im St. Vincenz-Krankenhaus

Dr. Felix Brandt (rechts)

Derzeit sind am St. Vincenz-Krankenhaus circa 30 Notärzte aktiv; sie arbeiten – wenn sie nicht gerade notärztlich aktiv sind – als Ärzte im Krankenhaus in den Bereichen Anästhesiologie, Innere Medizin, Chirurgie sowie Kinderheilkunde. Der Einsatz unseres Notarzt-Teams erfolgt in 24-Stunden-Schichten. Hierbei sind sowohl der Notarzt als auch der rettungsdienstliche Mitarbeiter der Feuerwehr Paderborn im Krankenhaus in Fahrzeugnähe untergebracht, um im Bedarfsfall schnell ausrücken zu können. Einen Großteil unserer Einsätze machen Patienten mit Herzinfarkten, Luftnot verschiedener Ursache und Schlaganfällen aus. Seltener sind Unfälle jedweder Art: häusliche, betriebliche Unfälle, Verkehrsunfälle, aber auch Folgen von Gewaltverbrechen. Sehr selten sind Notfälle bei Kindern, geburtshilfliche Notfälle sowie psychiatrische Notfälle. Bei gut 200.000 Einwohnern im Einsatzgebiet (Stadt und Teile des Kreises Paderborn) rücken wir mit dem Notarzteinsatzfahrzeug im Schnitt zehn Mal pro 24 Stunden aus.

Die Einsätze ereignen sich plötzlich und unerwartet; sie sind so vielschichtig wie der Querschnitt der Bevölkerung. Dementsprechend kann es sich auch um äußerst zeitkritische Einsätze handeln wie zum Beispiel beim  plötzlichen Herztod oder bei schwersten Unfallverletzungen – Minuten können hier lebensentscheidend werden. Um eine derart schnelle und professionelle Versorgung zeitgerecht durchzuführen, steht im Stadt- und Kreisgebiet ein vielschichtiges System 365 Tage im Jahr rund um die Uhr zur Verfügung. Die Leitstelle in Büren-Ahden am Flughafen Paderborn entscheidet, welche Rettungsmittel zum Notfall entsandt werden müssen – zudem findet hier die Koordination zwischen Rettungsdienst, Brandschutz und Polizei statt.
Im Kreis Paderborn gibt es ein dichtes Netz an Rettungswachen, die das Rückgrat des nicht-ärztlichen Rettungsdienstes stellen. In der Stadt Paderborn befinden sich darüber hinaus zwei Notarzteinsatzfahrzeuge in ständiger Bereitschaft, im Kreisgebiet sind vier weitere Notarzteinsatzfahrzeuge im Einsatz (Standorte Salzkotten, Hövelhof, Delbrück und Büren). Diese Fahrzeuge treffen sich im Falle einer Alarmierung mit einem Rettungswagen, der von der nächstgelegenen Rettungswache ausrückt: Dieses in Deutschland überwiegend favorisierte wird Rendez-vous-System genannt. Die ärztliche Besetzung der Notarzteinsatzfahrzeuge der Stadt Paderborn erfolgt in Rotation zwischen den drei Krankenhäusern am Ort.

Ausbildung der Notärzte und weitere rettungsdienstliche Bereiche
Die 30 Notärzte des St. Vincenz-Krankenhauses müssen als formelle Voraussetzung neben der Berufserlaubnis als Arzt den Nachweis spezieller akut-medizinischer Fähigkeiten inklusive einem regelmäßigen Fortbildungsnachweis erbringen.

Neben der reinen notärztlichen Tätigkeit sind einige Notärzte des Hauses noch in besonderen rettungsdienstlichen Bereichen aktiv:

  • Intensivtransport: Durch die allgemeine Spezialisierungstendenz kommt es nicht selten zur Notwendigkeit, kritisch erkrankte Patienten zu verlegen. Bei der Feuerwehr der Stadt Paderborn werden hier für spezielle Intensiv-Transport-Wagen zur Vefügung (so genannte „rollende Intensivstationen)

  • Leitende-Notarzt-Gruppe: Neun Notärzte der Klinik für Anästhesiologie sind in die Gruppe „Leitende Notärzte“ des Kreises Paderborn berufen worden. Ihr Einsatzgebiet liegt in der Koordination von Großschadens- oder Sonderlagen.

  • Ausbildung: Mehrere Notärzte des Hauses beteiligen sich an der Ausbildung und Prüfung an der Rettungsdienstschule der Stadt Paderborn.

  • Arbeitskreis Medizinische Beratung: Die beiden Standortleiter nehmen als Vertreter des Krankenhauses teil und beraten bzgl. der medizinischen Ausstattung der Rettungsmittel des Kreises Paderborn.

  • Großveranstaltungen: Die Notärzte des Hauses beteilgen sich an der medizinischen Betreuung bei Sonderveranstaltung wie Libori, AStA-Festival etc.

Unser Selbstverständnis des Notarztstandortes liegt nicht nur in der jederzeit sichergestellten Bereitstellung eines fachlich geeigneten Notarztes, sondern auch in einer vielschichtigen Einbringung von Notärzten in den entsprechenden oben genannten „Spezial-Bereichen“. Maxime der ärztlichen Leitung des Notarztstandortes St. Vincenz-Krankenhaus ist somit, ein professioneller und zuverlässiger Teamplayer im Gesamtkonstrukt Rettungsdienst zu sein.

Hintergrundinformationen:

Was kann der medizinische Laie für ein funktionierendes System Rettungsdienst tun?

1)    Wägen Sie ab: Handelt sich um einen vermeintlich lebensbedrohlichen Notfall?
-    Anhalt hierfür sind u.a.: Luftnot, starkes Beklemmungsgefühl (Angina pectoris) auf dem Brustkorb, Bewusstseinsverlusst, halbseitige Lähmungen, plötzliche Sprach- und Sehstörungen
-    Falls ja: Zögern Sie nicht, rufen Sie die 112 an.
-    Falls nein: Kontaktieren Sie den hausärztlichen Notdienst (116117) – Sie stellen somit sicher, dass der Rettungsdienst den Patienten, die innerhalb kürzester Zeit Hilfe benötigen, zur Verfügung steht

2)    Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Wiederbelebung.
Haben Sie einen bewusstlosen Menschen vor sich, der nicht oder nicht normal atmet: Setzen Sie einen Notruf ab (112) und beginnen Sie hiernach unmittelbar mit einer Herzdruckmassage (Mitte des Brustkorbes; circa 100 mal pro Minute) und setzen diese fort bis Hilfe eintrifft – eine Beatmung durch den Laien wird nicht mehr empfohlen. Das Risiko, den Patienten hierdurch zu schädigen ist zu vernachlässigen gegenüber dem Risiko, durch Nichts-Tun zu schaden. Nähere Informationen zum Thema Wiederbelebung finden Sie unter https://www.einlebenretten.de/

3)    Achten Sie im Straßenverkehr auf Einsatzfahrzeuge mit Sondersignalen („Blaulicht“) und gewähren Sie diesen Durchfahrt:
Dies bedeutet in der Regel, die Fahrt vorsichtig zu verlangsamen, möglichst weit rechts zu fahren und dieses Vorhaben per Blinkzeichen anzudeuten. Rechnen Sie zudem mit nachfolgenden Fahrzeugen, z.B. des Brandschutzes. Auf Autobahnen oder Autobahn-ähnlichen Straßen bedenken Sie bitte das Prinzip der Rettungsgasse (Fahrer der linken Spur äußerst links, Fahrer auf allen anderen Spuren möglichst weit rechts); bilden Sie die Rettungsgasse im Stau BEVOR das Einsatzfahrzeug hinter Ihnen steht.

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