Blog St. Vincenz

Gute Medizin, gute Pflege und gute Seelsorge gehören zusammen

Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen, über die Bedeutung der Krankenhausseelsorge für ein Krankenhaus in vincentinischer Trägerschaft

Kapelle des St. Vincenz-Krankenhauses

In allem Tun des hl. Vincenz, egal ob er die Findelkinder von der Straße auflas, ob er daran arbeitete, die Situation der Galeerensklaven zu verbessern, Suppenküchen für die hungernde Bevölkerung einrichtete oder Barmherzige Schwestern ausbildete, um sie für die Pflege von Kranken zu befähigen, immer ist der Leitspruch „Der Herr hat mich gesandt, den Armen das Evangelium zu verkünden“, das Hauptmotiv seines Handelns gewesen.

Als Träger der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH stehen wir, die Barmherzigen Schwestern, in der Tradition dieses großen Heiligen, der sich an allererster Stelle als Verkünder des Evangeliums verstand. Als unsere Vorfahren im Jahr 1901 also vor über 115 Jahren die Entscheidung getroffen haben, ein Krankenhaus mit dem Namen des heiligen Vincenz zu bauen, geschah dieses ganz sicher auch, um in Form der tätigen Nächstenliebe an kranken Menschen, die frohe Botschaft des Evangeliums glaubhaft zu verkünden.

Bei den Krankenhäusern im 21. Jahrhundert ist diese Dimension vielfach aus dem Blick geraten. Durch die Krankenhauspolitik gerade in den letzten 20 Jahren werden Krankenhäuser zunehmend mit den Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft konfrontiert. Die Vergütung in allen Teilen des Gesundheitsmarktes erfolgt leistungsbezogen. Nach Ansicht der Politik und der gesetzlichen Krankenversicherungen gehört die Seelsorge am kranken Menschen nicht in den Leistungskatalog von Krankenhäusern und wird deshalb auch nicht als solche finanziert. Nach dieser Faktenlage scheint die Krankenhausseelsorge also entbehrlich zu sein.

Das christliche Menschenbild sagt jedoch ganz klar, dass ein Mensch Geschöpf Gottes ist und deshalb ein Wesen mit Körper, Seele und Geist. Daher bedarf es neben einer guten ärztlichen und pflegerischen Betreuung für Körper und Geist auch der Seelsorge am kranken Menschen.
Und so wie sich Medizin und Pflege immer weiter spezialisiert haben, ist auch eine gute Krankenhausseelsorge zu einer Profession im Krankenhaus geworden, die Spezialisten braucht.

Im Krankenhaus des 21. Jahrhunderts geschehen Geburt, Krankheit, Gesundung und Sterben unter zunehmendem Rationalisierungsdruck. Dies fordert von allen Beteiligten eine ungeheure Kraftanstrengung zum Menschsein. Um den Patienten in seiner vielgestaltigen Einheit von Körper, Seele und Geist unter derartigen Bedingungen wahrzunehmen, sind Gespräche nötig, die über die übliche Alltagskommunikation hinausgehen und nicht allein den diagnostisch-therapeutischen Routinen des Klinikalltags folgen. Auch braucht es sorgfältig gestaltete Räume der Stille und Feiern, um dem kranken Menschen in seiner Ganzheitlichkeit gerecht zu werden. Für diesen Dienst bedarf es Menschen, die sich explizit um die geistig, spirituelle Dimension bemühen und über entsprechende Kompetenzen verfügen.

Gerade im katholischen Krankenhaus gehören zu diesen Feiern auch die Feier und Spendung der Sakramente der Kirche, die als Kraftquelle zum Leben dienen. Im Unterschied zu anderen Professionen im Krankenhaus leistet die Seelsorge keine pflegerischen, therapeutischen oder administrativen Dienste. Sie ist Ansprechpartner, wo Menschen mit ihren existenziellen Fragen allein gelassen sind, wo Menschen aufgrund von Krankheit und Leid plötzlich mit den Sinnfragen des Lebens konfrontiert werden. Die Seelsorge bietet Raum und Zeit für Begegnung und Gespräche über solche Fragen. Seelsorge ist dabei personale Zuwendung die darauf ausgerichtet ist, einem einzelnen Menschen in seiner ganz persönlichen Lebenssituation und seelischen Verfassung gerecht zu werden.

Der Dienst der Krankenhausseelsorge ist deshalb kein verzichtbares Anhängsel, sondern eine wichtige Ergänzung zu ärztlicher und pflegerischer Kompetenz. Gute Medizin, gute Pflege und gute Seelsorge gehören zusammen.

In allen Bereichen des christlichen Krankenhauses soll sich der Dienst an den Kranken aus den christlichen Werten gestalten, wie sie das Evangelium verkündet. Deshalb muss dieses Evangelium auch in Feiern wie der Hl. Messe, in anderen Formen des Gottesdienstes, in Fortbildungsangeboten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder auch im Unterricht unserer Ausbildungsstätten einen Platz haben.

Der Verkündigungsauftrag besteht dabei auch darin, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Dienst zu stärken. Für den ganzheitlichen Dienst am Menschen ist nicht nur physische, psychische sondern auch spirituelle Kraft notwendig. Die Krankenhausseelsorge sollte daher so etwas wie eine spirituelle Keimzelle sein, die in alle Bereiche des Krankenhauses hineinwirkt.

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