Blog St. Vincenz

Impuls des Monats Juni - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Geschäftsführerin und Vincentinerin

Hl. Vincenz von Paul

Die ersten sechs Werke der Barmherzigkeit, die wir in den letzten Monaten näher betrachtet haben, wurden schon in der Frühzeit der Christenheit als Umsetzung der christlichen Botschaft verstanden.

Sie gehen zurück auf die Rede Jesu vom Endgericht (Mt 25,34-46). Im dritten Jahrhundert wurde diesen sechs leiblichen Werken der Barmherzigkeit ein siebtes hinzugefügt: "Tote begraben". Die geistlichen Lehrer beriefen sich dabei auf eine Schriftstelle aus dem Alten Testament (Tob 1,17).

Bei diesem hinzugefügten Werk der Barmherzigkeit könnte auch leicht die Frage aufkommen: „Was soll daran denn barmherzig sein?“ Ein Toter spürt doch sowieso nichts mehr.

Ja Tote fühlen nichts mehr, aber sie sind wie alle Lebenden Geschöpfe Gottes. Gerade beim Umgang und der Versorgung von Verstorbenen ist es deshalb gut, sich einmal bewusst zu machen, dass mit diesem Menschen jetzt eine ganz eigene Lebensgeschichte zu Ende gegangen ist. Tote haben Hände, die vieles geschaffen und hervorgebracht haben. Sie haben Füße, die viele Wege zurückgelegt haben, manchmal auch Irrwege gegangen sind. Mit ihren Augen haben sie andere angeblickt. Sie konnten durch Tränen und Lachen ihre Emotionen zum Ausdruck bringen. Nase, Ohren, Mund, die ihre Funktion verloren haben, konnten im Laufe des Lebens vieles wahrnehmen, Gerüche verschiedenster Art, laute und leise Töne, unterschiedlichste Geschmäcker usw.

Der christliche Glaube an die Auferstehung der Toten ist Ausdruck der menschlichen Sehnsucht, dass all das, was unsere je eigene Lebensgeschichte ausmacht, mit dem Tod nicht einfach so vorbei ist.
Deshalb kann man sicher auch bei diesem Werk der Barmherzigkeit die goldene Regel anwenden, die uns Jesus mit auf den Weg gegeben hat: „Was ihr von den anderen erwartet, das tut auch ihnen“ (Mt 7,12 und Lk 6,31).

Vor einiger Zeit bekam ich den Hinweis, dass Angehörige es als sehr wohltuend empfunden haben, dass Mitarbeiter bei einer noch in der Aufnahmesituation verstorbenen Patientin, die noch nicht in die Leichenhalle gebracht werden konnte, an die Untersuchungsliege Blumen und eine Kerze hingestellt haben. Den Pfleger, den ich darauf ansprach sagte: "Das machen wir hier immer so." Ich denke: ein wirkliches schönes Zeichen dafür, dass diese Tote als Geschöpf Gottes geehrt wurde.

In einem bekannten Lied heißt es: „Niemals geht man so ganz, irgendwas von mir bleibt hier. Es hat seinen Platz immer bei dir.“ Dass dies für uns alle so gelten kann, daran können wir in unserem Umgang mit Verstorbenen mittun

Ihre Schwester M. Katharina

 

Hintergrund:

„Barmherzigkeit meint mehr als ein vages Mitgefühl, mehr als ein flüchtiges Berührtsein.
Barmherzigkeit ist eine Kraft des Herzens, die sich ganz dem anderen zuwendet, sie ist voller Aufmerksamkeit im Sehen, Hören und Verstehen.
Barmherzigkeit bildet einen Raum der Geborgenheit, in dem Schwaches erstarken, Verletztes heilen und Leben sich entfalten kann.
Barmherzigkeit zeigt sich in einer nimmermüden Vergebungsbereitschaft und im unerschütterlichen Glauben an das Gute.“

(Schwester M. Mediatrix Altefrohne)

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