Blog St. Vincenz

Stillen - Sie und Ihr Kind lernen einander kennen und verstehen

Sabine Schubert, Stationsleitung der Wochenbettstation und Kinderkrankenschwester sowie Still- und Laktationsberaterin IBCLC, über eine wichtige Form des Bindungsaufbaus zum Neugeborenen

Das Team der Wochenbettstation freut sich darauf, Sie unterstützen zu dürfen

Wir als Team der Wochenbettstation haben es uns zum Ziel gesetzt, Voraussetzungen zu schaffen, die Ihnen einen guten Start in die Eltern-Kind-Beziehung ermöglichen. Im Klinikblog zum Thema „Bonding“ konnten Sie schon einiges über das „Sich einlassen auf Bindung“ erfahren. Je besser dieses Bonding gelingt, desto sicherer werden Sie als Eltern und ebenso Ihr Kind, denn für die Entwicklung jedes Menschen, ist seine innere Verbundenheit mit seinen Eltern von entscheidender Bedeutung. In den Monaten Ihrer Schwangerschaft ist die Beziehung zu Ihrem Kind gewachsen. Nach der Geburt beginnt eine neue Phase dieser inneren Verbundenheit: Sie lernen einander kennen und verstehen und die Verbundenheit wird von Tag zu Tag größer.

Mit der Entscheidung, Ihr Kind zu stillen, entscheiden Sie sich für eine wunderbare Möglichkeit, die es Ihnen leichter macht, eine Verbundenheit zu Ihrem Kind herzustellen und die Verbundenheit des Kindes mit Ihnen zu intensivieren.  Stillen ist vor allem ein liebevoller Austausch zwischen Ihnen und Ihrem Kind. Durch das Stillen und Tragen des Kindes wird sein Bedürfnis nach Wärme, Bewegung, Körperkontakt, Herzschlag der Mutter und Nahrung aus dem Körper der Mutter befriedigt.

Wir erleben auf unserer Wochenbettstation immer wieder, dass das Stillen die Mütter feinfühliger auf ihr Kind reagieren lässt. Viele Mütter berichten, dass das Gefühl der Nähe, der Wärme und der Liebe zu ihrem Kind mit jedem Stillen erneuert wird.

Schon im Kreißsaal wird Ihnen die Hebamme helfen Ihr Kind zum ersten Mal anzulegen, sobald Sie und Ihr Kind dazu in der Lage sind. Dieses erste frühe Anlegen ist von großer Wichtigkeit, denn es wirkt sich positiv auf die folgenden Tage im Wochenbett aus. Die routinemäßige Versorgung des Kindes, wie Wiegen und Messen, kann später vorgenommen werden. Auch die meisten unserer Wöchnerinnen die nicht stillen möchten, legen Ihr Kind im Kreißsaal an, um auf diese Weise Ihrem Kind die wichtigsten Immunglobuline durch die Vormilch zukommen zu lassen.

Auf unserer Wochenbettstation stehen wir Ihnen gern zur Seite, um Ihnen zu helfen, die Zeichen Ihres Kindes  zu deuten und Sie beim Stillen zu unterstützen. Mit sogenannten „Stillzeichen“ wie Augen blinzeln, Fingerbewegungen, Schmatzen, zeigt das Kind, dass es trinken möchte. In den ersten Tagen nach der Geburt ist es durchaus möglich, dass Ihr Kind sehr häufig gestillt werden möchte. Mit dieser Häufigkeit des Anlegens wird im Frühwochenbett der Grundstein für eine ausreichende Muttermilchmenge gelegt. Darüber hinaus möchte das Kind immer wieder auch den unverwechselbaren Geruch seiner Mutter aufnehmen, ihre Nähe spüren und mütterliche Wärme erhalten.

Stillen ist nicht kompliziert, aber es benötigt am Anfang etwas Übung, daher ist es uns wichtig, Ihnen unsere Unterstützung anzubieten. Stillen ist wie Tanzen lernen: Erst klappt es etwas holprig, aber schon bald ist es ein Tanz voller Harmonie. Damit dieser Tanz voller Harmonie getanzt werden kann, steht Ihnen auf unserer Wochenbettstation neben zwei Still- und Laktationsberaterinnen (IBCLC)  ein geschultes „stillfreundliches“ Team zur Verfügung.

Stillen ist ein Ausdruck der Liebe und ein leiser, wunderbarer Dialog zwischen Ihnen und Ihrem Kind! Freuen Sie sich darauf!


Hintergrund:

  • Durch die Muttermilch erhält das Kind die optimale Nahrung für seine Bedürfnisse, und die Muttermilch schützt es vor Infektionen und Krankheiten.

  • Durch den Hautkontakt, der sich vor allem beim Stillen einstellt, stillt das Kind seine Bedürfnisse auf ideale Weise, was prägend für eine gute psychische Entwicklung ist. Die Berührung beim Stillen, das Saugen an der Brust, der Blick Ihres Kindes in Ihre Augen ist ein Austausch von Gefühlen zwischen Ihnen und Ihrem Kind, die eine wichtige Rolle im Bindungsprozess haben.

  • Entgegen früherer Meinung weiß man heute, dass nicht die Häufigkeit des Anlegens wunde Brustwarzen auslöst, sondern unkorrektes Anlegen.

Weitere Tipps unserer Stillberaterinnen finden Sie hier.

  •  
  • 0 Kommentare
  •  

Mein Kommentar

Ich möchte über jeden weiteren Kommentar in diesem Post benachrichtigt werden.