Blog St. Vincenz

Impuls des Monats Januar - Ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Geschäftsführerin und Vincentinerin

Vincenz von Paul, Mit-Begründer der Caritas

Am 8. Dezember 2015 hat Papst Franziskus bis zum Christkönigssonntag 2016 für die ganze Kirche ein Jahr der „Barmherzigkeit“ ausgerufen.
Die Trägergemeinschaft unseres St. Vincenz-Krankenhauses hat seit ihrer Gründung 1841 also vor genau 175 Jahren, die Bezeichnung „Barmherzige Schwestern“. Damit ist auch dem St. Vincenz-Krankenhaus als Einrichtung der Ordensgemeinschaft die Barmherzigkeit als Auftrag mit auf den Weg gegeben.

Barmherzigkeit ist ein in unserem modernen Sprachgebrauch wenig vorkommendes Wort, deshalb möchte ich in diesem Jahr anhand der leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit in meinen monatlichen Kurzmeditationen versuchen, dieses Wort ein wenig für den Alltag im Krankenhaus zu erschließen. Es geht um die Frage, wie wir Krankenhausmitarbeiter im Krankenhausalltag Barmherzigkeit jeden Tag leben und für unsere Patienten erlebbar machen können.

Schwester M. Mediatrix hat in ganz verdichteter Form eine Zusammenfassung all dessen formuliert, was das Wort Barmherzigkeit beinhaltet. Auch diese kurze gelungene Definition von Barmherzigkeit soll Sie durch dieses Jahr begleiten:

„Barmherzigkeit meint mehr als ein vages Mitgefühl, mehr als ein flüchtiges Berührtsein.
Barmherzigkeit ist eine Kraft des Herzens, die sich ganz dem anderen zuwendet, sie ist voller Aufmerksamkeit im Sehen, Hören und Verstehen.
Barmherzigkeit bildet einen Raum der Geborgenheit, in dem Schwaches erstarken, Verletztes heilen und Leben sich entfalten kann.
Barmherzigkeit zeigt sich in einer nimmermüden Vergebungsbereitschaft und im unerschütterlichen Glauben an das Gute.

(Schwester M. Mediatrix Altefrohne)
 

„Hungrige speisen“
„Dürstende tränken“

Bei diesen ersten beiden Werken der Barmherzigkeit fallen uns zunächst Menschen aus Entwicklungsländern oder Trockengebieten unserer Erde ein. Die Welthungerhilfe wird in den Ländern Europas weniger aktiv. Aber auch in Deutschland und anderen westlichen Ländern Europas gibt es nachgewiesener Maßen immer mehr Menschen, die mit nur einer Mahlzeit am Tag leben müssen. Und auch die Tafeln erleben immer mehr Zuspruch.

Im Krankenhaus braucht niemand hungern und dürsten. Ist das wirklich so? In den allermeisten Fällen bekommen Patienten ihre Mahlzeiten so serviert, dass sie diese auch mit den ihnen zur Verfügung stehenden Kräften verzehren können. Es gibt manchmal aber auch Situationen, wo trotz allen guten Zutuns das hingestellte Essen unberührt bleibt. Hier ist der barmherzige Blick gefragt, der das kleine Puzzleteil erkennt das fehlt, damit der Patient satt wird. Auch wissen wir, dass viele alte Menschen weniger Durst haben und dass es trotzdem wichtig ist, auch im Alter, einen ausgewogenen Flüssigkeitshaushalt zu haben. In solchen Situationen ist auch die Sorge, dass der Patient genügend Flüssigkeit bekommt, ein Werk der Barmherzigkeit. Aber nicht nur in der Pflege werden die beiden Werke der Barmherzigkeit relevant. Es gibt in unserer Gesellschaft viele Menschen die materiell gesehen nicht hungern und dürsten. Aber es gibt viele Menschen, die hungern nach einem guten Wort, nach Anerkennung und Wertschätzung. Menschen die dürsten danach vom anderen wahrgenommen und angenommen zu werden. Dies können Patienten, Besucher, Kollegen und viele andere sein, denen wir begegnen.
Es wäre schön, wenn wir alle in diesem Monat ein wenig aufmerksamer darauf schauen, wo jemand ist, der hungert oder dürstet.

Ihre Schwester M. Katharina

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