Blog St. Vincenz

Über den unvergleichlichen Augenblick, wenn Ihr Kind Sie zum ersten Mal still ansieht

Sabine Schubert, Stationsleitung unserer Wochenbettstation im St. Josefs-Krankenhaus, beschreibt wie unsere Geburtshilfe die Entstehung einer festen Bindung zwischen Eltern und Neugeborenem unterstützt.

Sie erwarten ein Kind und blicken voll Freude, aber vielleicht auch mit etwas banger Erwartung, diesem Tag entgegen. Es ist für die Bindung an Ihr Kind von großer Bedeutung, dass Sie sich auf diesen großen Moment vorbereiten, sei es in Geburtsvorbereitungskursen, beim Einrichten des Kinderzimmers und bei der Namenssuche.

Nun ist er da: Der Moment, in dem Sie zum ersten Mal Ihr Kind sehen: Sie schauen Ihrem Kind zum ersten Mal in die Augen und können Ihr Glück kaum fassen. Das intensive „Sicheinlassen“ auf Bindung wird mit dem englischen Wort „Bonding“ bezeichnet – sich ineinander verlieben, könnte man es auch nennen. Es gibt sicher keinen schöneren Ausdruck für diese erste Begegnung mit Ihrem Kind.

Vielleicht hatten Sie vor der Begegnung noch ein bisschen Furcht vor diesem Augenblick, aber wenn Sie dann Ihr Baby sehen, wird sich die Verbundenheit schnell einstellen.

Im Kreissaal wird es Ihnen angeboten, Ihr Kind sofort nach der Geburt zu übernehmen, um es auf Ihren Bauch zu legen, wo es mit warmen Tüchern bedeckt wird. Jetzt kann der Aufbau Ihrer  Bindung (extrauterines Bonding) außerhalb des Mutterleibes beginnen. Durch die körperliche Nähe zu Ihnen reguliert Ihr Kind seine Körperwärme schneller und die Atmung stabilisiert sich. Durch den intensiven Hautkontakt wird Ihr Kind wahrscheinlich nicht weinen und Sie in ruhigem Wachzustand mit großen, glänzenden Augen still ansehen.

In diesem Moment gebannter Aufmerksamkeit, die gleich nach der Geburt und in der ganzen Neugeborenenzeit auftritt, lässt sich oftmals ein intensiver Blickkontakt herstellen, was ein entscheidendes Element des menschlichen Umgangs miteinander ist. Mit diesem gegenseitigen, tiefen Blick in die Augen, beginnt der erste Dialog: Sie als Eltern werden wie magisch in einen innigen Austausch miteinander hineingezogen, ein unvergleichlicher Moment!

Es ist erwiesen, dass Mütter, die direkt nach der Geburt einen intensiven Kontakt mit ihrem Kind hatten, sicherer im Umgang mit diesem sind. Die Grundvoraussetzung für die sich darauf aufbauende weitere Bindung, wird sehr früh geschaffen. Wird die sensible Phase nicht wahrgenommen, so ist das erste Kennenlernen erschwert und muss über einen längeren Zeitraum hinweg nachgeholt werden.

Um Ihnen diesen unvergleichlichen Moment zu ermöglichen, sorgen unsere Hebammen dafür, dass Sie ungestört im Kreißsaal bei gedämpftem Licht die ersten Stunden mit Ihrem Kind und Ihrem Partner ganz für sich verbringen dürfen, denn die erste Zeit nach der Geburt ist die beste Zeit des Kennenlernens. Auf Ihrer nackten Haut spürt Ihr Kind Ihre Nähe, Wärme und Geborgenheit und Sie können das Kind liebkosen, streicheln, seinen ganz eigenen Geruch wahrnehmen.

Dieses „Bonding“ wird Ihr Kind genießen und Sie werden fühlen, wie Sie ruhiger werden und die Anspannung durch die Geburt wird nachlassen.
Lassen Sie sich durch nichts stören und genießen einfach dieses neue Gefühl. Einige Zeit danach wird das Kind die ersten Hungerzeichen zeigen: Es wird aktiver, bewegt Arme und Beine, sein Mund beginnt zu suchen. Wenn Sie das Bedürfnis in sich verspüren, das Baby an Ihre Brust zu legen, tun Sie es, die Hebamme wird Sie gern dabei unterstützen.

Das Bonding setzt sich auf der Wochenbettstation fort, und auch da werden wir Ihnen immer wieder die Möglichkeit geben, diese intensive Phase des Bindungsaufbaus fortzusetzen.

Ein Wort noch an die Väter: Nach der ersten intensiven Phase der Bindung an die Mutter, dürfen auch Sie Ihr Kind bei uns jederzeit bonden. Falls Ihre Frau einen Kaiserschnitt bekommt, sind sogar Sie es, der den ersten Hautkontakt herstellen darf, solange Ihre Partnerin noch im OP ist. Auch für Sie als Vater wird das Bonding ein unvergessliches Erlebnis sein.

Unser Anliegen ist es, dass Sie in den ersten Stunden nach der Geburt mit Ihrem Kind allein sein dürfen und sich während des Aufenthaltes bei uns nicht trennen müssen. Wir möchten Ihnen unsere Unterstützung und Zuwendung geben, um dem Bindungsprozess die besten Chancen zu ermöglichen.


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Andrea Singer
05.12.2015
Hebamme

Hallo Sabine, wunderbar, wie Du das Bionding in Worte gefasst hast. Es läuft einem beim Lesen ein Schauer über den Rücken. Ganz liebe Grüße Andrea

St. Josefs-Krankenhaus
05.01.2016
Danke

Wir bedanken uns für Ihren freundlichen Kommentar zu unserem Blogbeitrag der Geburtshilfe des St. Josefs-Krankenhauses. Weitere Beiträge werden folgen. Beste Grüße, Ihr Team des St. Josefs-Krankenhauses

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