Blog St. Vincenz

Erblich bedingter Brustkrebs - Komme ich aus einer Brustkrebsfamilie?

Dr. med. Dirk Schulze, Leiter der Brustsprechstunde und Oberarzt, über wichtige Fakten, Fragen und Möglichkeiten der Prävention bei Krebs

"Komme ich aus einer Brustkrebsfamilie?" Diese Frage beschäftigt viele Frauen, die in unsere Brustsprechstunde des Kooperativen Brustzentrums Paderborn in der Frauen- und Kinderklinik St. Louise kommen. Angeregt durch die amerikanische Schauspielerin Angelina Jolie, ist dieses Thema in den Medien wiederholt allgegenwärtig gewesen. Angelina Jolie hatte sich aufgrund eines nachgewiesenen Gendefekts vorsorglich beide Brüste und später auch die Eierstöcke entfernen lassen, um ihr persönlich sehr hohes Brustkrebsrisiko zu minimieren. Dr. Dirk Schulze geht auf die daraus entstehenden Fragen vieler Frauen ein:

Wichtig ist zunächst: Unter allen Brustkrebserkrankungen sind nur etwa 5 -10% erblich bedingt. Etwa die Hälfte der erblich bedingten Brustkrebserkrankungen wird durch eine Mutation des BRCA1- oder BRCA2-Gens (die Abkürzung steht für das englische Breast Cancer) verursacht. Bei Frauen mit einer nachgewiesenen Mutation in einem der beiden Gene kommt es etwa in 45-80% aller Fälle zu einer Brustkrebserkrankung im Laufe ihres Lebens.

Wie können betroffene Frauen herausfinden, ob sie ein höheres Brustkrebsrisiko haben? Viele Frauen haben Brustkrebserkrankungen in der Familie. Das Entscheidende ist: eine Risikoabschätzung anhand einer Auflistung aller an Brustkrebs oder Eierstockskrebs erkrankten Frauen in der Familie. Diese Risikoabschätzung kann bei jeder Frauenärztin oder auch bei uns in der Brustsprechstunde durchgeführt werden.

Ist das Risiko für erblichen Brustkrebs erhöht, so übernehmen die Krankenkassen in der Regel eine weitere Abklärung in einem der 15 bundesweiten Zentren für Familiären Brust- und Eierstockskrebs. Eine Übersicht über diese Zentren gibt es im Internet unter www.brca-netzwerk.de.

In diesen Zentren erfolgt eine ausführliche Beratung und es wird festgestellt, ob ein Gentest angeboten werden kann. Bei Zustimmung zum Gentest und nach einer nochmaligen Bedenkzeit von 4 Wochen wird eine Blutentnahme vorgenommen. Das Ergebnis liegt dann nach ca. 6 Wochen bis 6 Monaten vor und wird persönlich im Rahmen eines ausführlichen Beratungsgesprächs mitgeteilt.

Die betroffenen Frauen werden mit dem Ergebnis nicht allein gelassen, sondern in dem entsprechenden Zentrum für familiären Brust- oder Eierstockskrebs durch ein Team aus Spezialisten (Gynäkologen, Humangenetiker, Radiologen und Psychologen) betreut.

Liegt eine erbliche Brustkrebsveranlagung vor so gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Zum einen gibt es die intensivierte Früherkennung mit regelmäßigen Brustuntersuchungen (Tastuntersuchung, Ultraschall, Kernspintomographie und Mammographie) mit dem Ziel eine Brustkrebserkrankung in einem möglichst frühen Stadium zu entdecken.

Zum anderen gibt es die Möglichkeiten von prophylaktischen Operationen mit Entfernung von beiden Brüsten oder/und Eierstöcken. Bei den Entfernungen der Brüste wird meistens ein gleichzeitiger Wiederaufbau mit Eigengewebe oder Silikon-Prothese durchgeführt. Durch die prophylaktische Brustentfernung kann das Risiko für eine Brustkrebserkrankung um 90-95% reduziert werden.

Kontakt: Brustsprechstundensekretariat unter Tel.: 05251/86-4106.

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