Blog St. Vincenz

Zwillinge im Abstand von fast 6 Wochen geboren

Christine Schmücker, Leitende Oberärztin der Geburtshilfe, berichtet über Zwillinge, die im Abstand von fast 6 Wochen geboren sind – ein äußerst seltenes Ereignis.

Christine Schmücker (rechts oben) mit Dr. Björn Beckers und der Familie

Zwillingsgeburten sind für uns keine Seltenheit. Im vergangenen Jahr wurden bei uns 73 Zwillingspärchen geboren, bereits 36 in diesem Jahr. Dennoch ist die Zwillingsgeburt, die sich hier in den letzten Wochen ereignet hat, eine kleine Sensation: Im Abstand von 38 Tagen kamen in diesem Frühjahr die Zwillingsschwestern June und Liv mit Geburtsgewichten von 490 und 960 Gramm als Frühgeborene bei uns zur Welt. Zweizeitige Geburt heißt dieses ungewöhnliche Ereignis. Beiden Kindern und der Mutter Sophia (27) geht es inzwischen gut. Eine solche zweizeitige Geburt habe ich in meiner 15jährigen Berufserfahrung bislang noch nie erlebt und werde sie wahrscheinlich auch kein zweites Mal erleben.

Nach viel zu frühem Blasensprung und Wehenbeginn in der 24. Schwangerschaftswoche, kam der erste Zwilling, die kleine June, mit nur 490 Gramm Geburtsgewicht am 6. März auf natürlichem Wege in unserer Geburtshilfe zur Welt. Normalerweise wird bei einer Zwillingsgeburt auch das zweite Zwillingskind direkt im Anschluss geboren. Doch nach der Geburt des ersten Mädchens konnten wir mit Medikamenten die Wehentätigkeit stoppen und die Geburt des zweiten Zwillings dadurch verhindern. Da die Kinder in getrennten Fruchtblasen herangewachsen waren und der Blasensprung nur die erste Fruchtblase betraf, konnte das zweite Zwillingsmädchen im Mutterleib bleiben und dort ganz natürlich weiterwachsen. Während dieser Zeit hatte es ihre viel zu früh geborene Schwester sehr viel schwerer. Junes Lunge und Herz machten Probleme, sodass die Kleine auf unserer Frühgeborenen-Intensivstation beatmet werden musste und sich in der fünften Woche sogar in kritischem Zustand befand.

Mit 29 Wochen kam am 13. April – noch immer 11 Wochen zu früh, doch bereits doppelt so schwer – Schwester Liv zur Welt, ebenfalls auf natürlichem Weg. Nach der zweiten Geburt ging es der Mutter Sophia und der zweiten Tochter Liv gut und auch die kleine June überstand die schwierige Phase. Zwar brauchte sie auch in den ersten Wochen zu Hause noch ein paar Tage lang etwas Sauerstoff zusätzlich, aber bleibende Behinderungen sind nicht zu befürchten. Wir alle freuen uns sehr für die kleine Familie.

Weitere Stimmen zu der außergewöhnlichen zweizeitigen Geburt:

„Für uns war die Zeit hier im Krankenhaus eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Uns hat die familiäre und zugleich professionelle Unterstützung durch die Ärzte und Pflegenden sehr geholfen. Wir wissen gar nicht, wie wir ihnen danken können!“ so die jungen Eltern.

„Die Eltern sind ganz tolle Menschen mit einer sehr tiefen Liebe zu ihren Kindern. Was wirklich außergewöhnlich war, ist die unglaublich große positive Energie der Eltern, so etwas habe ich selten erlebt“, berichtet Dr. Björn Beckers (Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin), dem es auch sehr viel Freude gemacht hat die positive Entwicklung zu begleiten.

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