Blog St. Vincenz

Wie Kinder im Teddykrankenhaus die Angst vor dem echten Krankenhaus verlieren

Viola Schulze, Assistenzärztin, über die Aktion "Teddykrankenhaus" anlässlich des Weltkindertages, die auch im Jahr 2015 wieder riesigen Anklang fand

Wenn Kinder aufgrund einer Verletzung oder einer Erkrankung zu uns in die Kinderklinik kommen, haben sie häufig Angst vor der Untersuchung. Im Rahmen unserer Aktion „Teddykrankenhaus“, die wir einmal pro Jahr durchführen, haben Kinder die Möglichkeit, die einzelnen Untersuchungs- und Behandlungsschritte als Beobachter in einer ganz angstfreien Situation kennen zu lernen – nämlich als Teddyeltern ihrer eigenen Kuscheltiere. Sollten die Kinder dann wirklich mal ins Krankenhaus müssen, wissen sie schon was passiert und dass die Untersuchung nicht weh tut.
Für unser „Teddykrankenhaus“ im Alten Rathaus von Paderborn hatten wir zum Beispiel schon einmal ein richtiges Inhaliergerät und ein Gerät zur Sauerstoffmessung des Blutes mitgebracht, was die Kinder an diesem Tag kennenlernen und ausprobieren durften.

Ein besonderes Highlight war es auch immer, wenn die Kinder einen richtigen Rettungswagen besichtigen und den  anwesenden Feuerwehrmännern Fragen stellen durften.

Hunderte von Kindern   zwischen drei und sechs Jahren kommen jedes Jahr mit ihrer Kindergartengruppe nach vorheriger Anmeldung zum Teddykrankenhaus. Als Vorbereitung des Teddykrankenhaus-Besuches besprechen die Kinder die Themen Krankheit und Arztbesuch im Kindergarten. Danach überlegt sich jeder eine Krankheit für das eigene Kuscheltier oder die Lieblingspuppe. Mit den kranken oder verletzten „Patienten“ kommen die besorgten „Eltern“ dann zu uns Teddydoktoren – neben mir sind jedes Jahr zahlreiche andere Klinikmitarbeiter und Helfer dort im Einsatz.
Der Ablauf, den die Teddyeltern mit ihren Kuscheltieren durchlaufen, ist dann genau wie im richtigen Krankenhaus: Zuerst müssen die Patienten angemeldet werden. Name, Alter und Beschwerden werden abgefragt, der Patient gemessen und gewogen. Nach einer kurzen Zeit im Wartezimmer, die wir mit Malbüchern zum Thema Kinderkrankenhaus überbrücken, werden die kranken Kuscheltiere dann einzeln und natürlich im Beisein ihrer Teddyeltern im Behandlungsraum sorgfältig untersucht.
Fieber messen, Reflexe testen, erste Wunden mit einem Pflaster versorgen, Blutdruck messen oder dem Kuscheltier eine Spritze geben. All dies dürfen die Kinder auf Wunsch auch selber machen. Manche Kuscheltiere müssen aufgrund ihrer Erkrankung sogar geröntgt werden oder ins (von uns selbstgebastelte) MRT (siehe Foto. Außerdem von links nach rechts Viola Schulze, Nina Trapp, Christina Dolle und eine kleine Teddy-Mama). Im Rahmen des Teddykrankenhauses 2013, zu dem über 450 Kinder kamen, haben wir sogar einen kleinen OP-Saal aufgebaut. Für alle Kuscheltierpatienten gab es am Ende der Untersuchung ein Rezept, das in der Teddykrankenhaus-Apotheke eingelöst werden konnte. Ein Teddydoktor begleitete die Kinder während des gesamten Ablaufs. Im Jahr 2015 haben sich schon im Vorfeld über 700 Kinder angemeldet. Leider sind bei 650 Kindern, trotz der Vielzahl freiwilliger Helfer, unsere Kapazitätsgrenzen absolut erreicht, sodass wir einigen Kindern sogar absagen mussten. Der Erfolg des Teddykrankenhauses ist jedes Jahr wieder schön zu sehen!

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