Blog St. Vincenz

Von Traumluft, Zauberpflastern und Herzfernsehern

Anästhesiepfleger Eric Büssemeier über das Vorgehen bei Narkosen bei Kindern

In unserem Krankenhaus erlebe ich es oft, dass Eltern bei bevorstehenden Narkosen ihrer Kinder sehr beunruhigt sind. Verständlicherweise macht es ihnen Angst, das Leben ihres Kindes in die Hände fremder Menschen legen zu müssen. Für die meisten von ihnen ist es das erste Mal. Um den Eltern und Kindern diese Situation ein wenig zu erleichtern, gebe ich immer verschiedene Tipps, wie die Narkose in Gesprächen zu Hause zwischen Eltern und Kindern in aller Ruhe vorbereitet werden kann.

Liebe Eltern!
Bevor Sie mit Ihrem Kind zum Narkosevorgespräch in die Räumlichkeiten unserer Klinik für Anästhesiologie kommen, möchten ich Ihnen hier einige wichtige Informationen zusammenfassen und hoffe, dass meine Erklärungen Ihnen dabei helfen, mit Ihrem Kind vorbereitend zu sprechen und die vereinfachten Begriffe in diesem Zusammenhang zu benutzen.

Bitte beachten Sie, dass Ihr Kind zum Zeitpunkt der Operation keinen fieberhaften Infekt, Husten mit eitrigem Auswurf oder starken Schnupfen mit „Krankheitsgefühl“ haben darf. Ist Ihr Kind gesund und der Tag der Narkose angebrochen, so beachten Sie folgende wichtige Regeln bezüglich der Nüchternheit vor der Operation:

•    Alle Kinder dürfen bis zwei Stunden vor der OP klare Flüssigkeit trinken (z. B. Wasser, Tee).

•    Neugeborene und Säuglinge dürfen bis vier Stunden vor der OP gestillt werden oder Flaschennahrung bekommen.

•    Kinder über ein Jahr dürfen bis sechs Stunden vor der OP feste Nahrung aufnehmen.
Wichtig: Bitte am Morgen der Operation keine Bonbons lutschen oder Kaugummis kauen.

Viele Kinder sind verständlicherweise sehr angespannt und ängstlich, wenn es in den Operationsbereich geht. Gerne können Sie Ihr Kind deshalb bei Hals-Nasen-Ohren-Operationen bis in den Operationssaal und bei chirurgischen Operationen bis zum Vorbereitungsraum begleiten, um Trost und Sicherheit zu geben. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Eltern  das beste „Beruhigungsmittel“ sind.

Bevor wir mit der Operation beginnen, bekommen unsere kleinen Patienten über eine Gesichtsmaske, unsere „Pilotenmaske“,  ein Narkosegasgemisch („Traumluft“), sodass sie einschlafen. Danach wird die Venenkanüle gelegt und die Beatmung sichergestellt. Somit hat Ihr Kind wenig Stress und ist entspannt.

Bei älteren Kindern wird ein Narkosemittel wie bei den Erwachsenen über die Armvene gespritzt. Da das Piksen mit der Kanüle unangenehm ist, wird vorher unser „Zauberpflaster“ aufgeklebt. Das Pflaster macht die Haut weich und unempfindlich.

Während der Operation wird Ihr Kind ununterbrochen durch ärztliches und pflegerisches Personal betreut. Damit während der Narkoseeinleitung wichtige Organfunktionen Ihres Kindes überwacht werden können, gibt es eine Art „Wäscheklammer“ am Finger (Pulsoxymetrie). Damit können wir auf unserem Überwachungsmonitor – unserem „Herzfernseher“ – alles Wichtige sehen.

Nach der Operation bringen wir Ihr Kind in noch schlafendem Zustand in den Aufwachraum bis es aus der Narkose erwacht ist. In der Regel können Sie beim Aufwachen des Kindes dabei sein.

Wenn Ihr Kind dann wach ist, dürfen Sie so bald wie möglich bzw. bei ambulanten Operationen am gleichen Tag nach Hause. Bei auftretenden Schmerzen zu Hause innerhalb 24 nach der Operation, können Sie Ihrem Kind die verordneten Medikamente in der vorgeschriebenen Dosierung verabreichen. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Kind alles Gute und einen guten Verlauf des Aufenthaltes in unserem Haus.

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