Blog St. Vincenz

Nachts in unserer Ambulanz

Gisela Reelsen, Mitarbeiterin des St. Josefs-Krankenhauses und des Redaktionsteams der Mitarbeiterzeitschrift, besuchte die diensthabenden Kollegen der internistischen Notaufnahme des St. Josefs-Krankenhauses abends

Nachts, wenn alles schläft, solltest du bei mir sein…
Unwillkürlich kam mir dieses Lied von Howard Carpendale in den Sinn, als ich die Kollegen und Patienten in der internistischen Notaufnahme  beobachtete:

Es ist 20.00 Uhr am Samstagabend. Alle Behandlungsräume sind besetzt und die diensthabende Ärztin springt von einem Raum zum nächsten, um die Patienten zu versorgen. Auf dem Flur warten schon die nächsten potenziellen Aufnahmen. Die Ärztin nimmt eine ältere Dame auf, die vom Rettungsdienst gebracht wird. Ihre Angehörigen sind dem Rettungswagen gefolgt, um ihr beizustehen. Die Ärztin setzt sich an die Liege der Patientin und stellt ihr Fragen, um eine aussagefähige Diagnostik und Anamnese sicherzustellen, damit entsprechende Behandlungspfade eingeleitet werden können. Das erste was die Patientin sagt: Frau Doktor, wenn ich Sie sehe, geht es mir schon viel besser!!! Diese Worte sind eine Hommage an die vielen Kollegen im Krankenhaus,  die dann ihren Dienst am Patienten tun, während andere schlafen oder, oder, oder.

Der Patientin wird Blut abgenommen, der Blutdruck wird kontrolliert, ein EKG wird geschrieben und es erfolgt eine Aufklärung über die weitere Behandlung. Die Patientin möchte jedoch nicht stationär bleiben und ist bereit, eine Unterschrift zu leisten und gegen ärztlichen Rat das Krankenhaus zu verlassen. Die Angehörigen erklären, dass die Patientin zu Hause nicht allein ist. Neben der umfangreichen Dokumentation für die Krankenhausakte bekommt  die Patientin einen handschriftlichen Arztbrief mit; eine Durchschrift wird sofort an den Hausarzt gefaxt.
 
Dann geht auch schon wieder das Telefon. Die Station ruft an und spricht die Medikation eines Patienten ab, der am Nachmittag mit entgleistem Blutzuckerwert aufgenommen wurde. Für Rückfragen der diensthabenden Ärztin und Notfälle ist immer ein nahewohnender Oberarzt im Hintergrunddienst zu erreichen. Um 21.00 Uhr findet dann die Übergabe mit dem Arzt im Nachtdienst statt. Aber schon klingelt während der Übergabe wieder das Telefon. Die Intensivstation hat eine Rückfrage zu Auffälligkeiten einer Patientin, die am Nachmittag gekommen ist.
Und dann, wer kommt denn da…? Die Patientin die vor einer Stunde auf eigenen Wunsch entlassen wurde, kommt mit den gleichen Symptomen wieder.

Eins stand für mich fest: Langeweile entsteht definitiv in der Nacht nicht. Im Schnitt kommen 5-10 Neuaufnahmen in die internistische Notaufnahme; trotz der Vorankündigung weiß der Arzt nicht, was ihn bei der Aufnahme eines Patienten erwartet. Des Weiteren werden die Patienten aller internistischen Stationen und die der Intensivstation betreut und medizinisch versorgt.

Insgesamt entstand bei mir der Eindruck, dass die Ärzte in der Nacht immer in einem anderen Spannungsfeld ihrer Tätigkeiten stehen,  als während des Tages, denn gerade Notfallsituationen in der Nacht fordern ein hohes Maß an Empathie, um in jeder Situation fachlich ruhig zu reagieren. Ebenso ist manchmal auf den Stationen einfach ein beruhigendes Gespräch notwendig. Bei dem abendlichen Besuch des internistischen Nachtdienstes herrschte eine angenehm beruhigende Atmosphäre, die sich auf die Patienten übertrug. Ein wenig stolz stellte ich fest, dass hier zum Ausdruck kommt, was uns allen hier im Hause wichtig ist: dass der Patient zwar als Fall mit einer Nummer geführt wird, aber nicht als Nummer ein Fall ist, sondern als Mensch behandelt wird.

Hinweis: Neben der internistischen Notaufnahme gibt es noch die chirurgische und gynäkologische Notaufnahme, deren Mitarbeiter selbstverständlich auch jederzeit gern für die Patienten da sind.

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