Blog St. Vincenz

Monatsimpuls

Von Schwester M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

Sehr geehrte liebe Leserinnen und Leser,

während ich diese Zeilen an Sie schreibe, hat in Paderborn das diesjährige Liborifest begonnen. Es ist nicht ein Liborifest, wie es Paderborn gewohnt ist, mit prunkvollen Gottesdiensten, lauter Kirmesmusik, vielen Menschen, die auf der Kirmesmeile oder dem Pottmarkt unterwegs sind, oder vor dem St. Vincenz-Krankenhaus zusammenkommen, um hier Bratwurst und Pommes zu essen, gemeinsam ein Bier zu trinken und all das zu tun, was zu einem „normalen“ Liborifest dazu gehört.
An diesem besonderen Liborifest sende ich Ihnen ganz herzliche Grüße.
In diesem Jahr steht das Liborifest unter dem Motto: „Et in Terra Pax“ – „Und Friede auf Erden“.
Wir in Deutschland leben seit 75 Jahren ohne Krieg. Nicht allen Ländern Europas ist ein Leben ohne Waffengewalt vergönnt. Aber ich denke zu wirklichem Frieden braucht es mehr als das Schweigen von Waffen. Beim Nachdenken über das diesjährige Liborithema ist mir ein Text eingefallen, den die österreichische Schauspielerin Maria Happel zu Beginn der Coronakrise gelesen hat und der über youtube und Whatsapp millionenfach geteilt wurde. Es ist ein Brief von Albert Einstein an seine Tochter Lieserl.

Er schreibt dort:
“Als ich die Relativitätstheorie vorstellte, haben mich nur sehr wenige verstanden und was ich dir nun enthüllen werde, um es der Menschheit mitzuteilen, wird ebenso auf Missverständnisse und Vorurteile in der Welt stoßen.
 
Ich bitte dich, meine Briefe so lange wie nötig zu beschützen, bis die Gesellschaft fortgeschritten genug ist, um das, was ich dir als nächstes erklären werde, zu akzeptieren.
 
Es gibt eine extrem mächtige Kraft, für die die Wissenschaft bis jetzt keine formelle Erklärung gefunden hat. Es ist eine Kraft, die alle anderen beinhaltet und regelt und die sich hinter jedem im Universum wirkenden Phänomen verbirgt und noch nicht von uns identifiziert wurde. Diese universelle Kraft ist die LIEBE.
 
Als die Wissenschaftler nach einer einheitlichen Theorie des Universums suchten, vergaßen sie die unsichtbare und mächtigste aller Kräfte.
Liebe ist Licht, das diejenigen, die sie geben und empfangen, erleuchtet. Liebe ist Schwerkraft, weil sie einige Menschen dazu bringt, sich zu anderen hingezogen zu fühlen. Liebe ist Macht, weil sie das Beste, was wir haben vermehrt und nicht zulässt, dass die Menschheit durch ihren blinden Egoismus auslöscht wird. Die Liebe entfaltet und offenbart. Durch die Liebe lebt und stirbt man. Liebe ist Gott und Gott ist die Liebe.
 
Diese Kraft erklärt alles und gibt dem Leben einen Sinn.
 
Dies ist die Variable, die wir zu lange ignoriert haben, vielleicht, weil wir vor der Liebe Angst haben, weil sie die einzige Macht im Universum ist, die der Mensch nicht gelernt hat, nach seinem Willen zu steuern.
 
Um Liebe sichtbar zu machen, habe ich einen einfachen Austausch in meiner berühmtesten Gleichung vorgenommen. Wenn wir anstelle von E=mc2 zu akzeptieren, die Energie akzeptieren, um die Welt durch Liebe zu heilen, kann man durch die Liebe multipliziert mal der Lichtgeschwindigkeit hoch Quadrat zu dem Schluss kommen, dass die Liebe die mächtigste Kraft ist, die es gibt, weil sie keine Grenzen hat.
 
Nach dem Scheitern der Menschheit in der Nutzung und Kontrolle der anderen Kräfte des Universums, die sich gegen uns gewendet haben, ist es unerlässlich, dass wir uns von einer anderen Art von Energie ernähren.
 
Wenn wir wollen, dass unsere Art überleben soll, wenn wir einen Sinn im Leben finden wollen, wenn wir die Welt und alle fühlenden Wesen, die sie bewohnen, retten wollen, ist die Liebe die einzige und die letzte Antwort.
 
Vielleicht sind wir noch nicht bereit, eine Liebesbombe zu bauen, ein Artefakt, das mächtig genug ist, all den Hass, die Selbstsucht und Gier, die den Planeten plagen, zu zerstören. Allerdings trägt jeder Einzelne in sich einen kleinen, aber kraftvollen Liebesgenerator, dessen Energie darauf wartet befreit zu werden.
 
Wenn wir es lernen, liebes Lieserl, diese universelle Energie zu geben und zu empfangen, werden wir herausfinden, dass die Liebe alles überwindet, alles transzendiert und alles kann, denn die Liebe ist die Quintessenz des Lebens.
 
Ich bedaure zutiefst, nicht in der Lage gewesen zu sein, das auszudrücken, was in meinem Herzen ist, welches leise mein ganzes Leben für dich geschlagen hat.
 
Vielleicht ist es zu spät, mich zu entschuldigen, aber da die Zeit relativ ist, muss ich dir sagen, dass ich dich liebe und dass ich dank dir zur letzten Antwort gekommen bin.
 
Dein Vater Albert

Ich denke, wenn wir lernen, diese universelle Kraft, die sich Liebe nennt, zur stärksten Kraft unseres persönlichen Lebens werden lassen, dann ist wirklicher Friede möglich, nicht nur zwischen Völkern und Nationen, zwischen Armen und Reichen, Großen und Kleinen, Verantwortungsträgern und Befehlsempfängern, zwischen Menschen unterschiedlichster Weltanschauung sondern zwischen allen Menschen auf der Erde.
Denn wie lehrt uns der heilige Vincenz immer wieder: „Die Liebe ist unendlich erfinderisch.“

Ich wünsche Ihnen allen die Erfahrung dieser unsichtbaren und mächtigsten aller Kräfte und die Früchte, die diese Erfahrung hervorbringt.
Auch wünsche ich vor allen den Paderbornern ein frohes Liborifest trotz Corona.

Ihre
Schwester M. Katharina


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