Blog St. Vincenz

Leben mit Übergewicht

Tanja W. leidet an krankhaftem Übergewicht und geht offen mit ihrer Krankheit um. Zuletzt war sie Patientin in der Adipositas-Chirurgie des St. Vincenz-Krankenhauses. Hier lässt sie uns an ihrer Geschichte teilhaben.

PD Dr. Hubert Scheuerlein und PD Dr. Carolina Pape-Köhler versorgen Patienten, die unter Adipositas leiden.

„Dass ich zu dick war, fiel mir schon in meiner Jugend auf. Allerdings habe ich daran nicht allzu viele Gedanken verschwendet. Ich habe einfach nicht darauf geachtet, was ich, wann esse. Nach meiner ersten Schwangerschaft nahm ich dann noch einmal 20 Kilogramm zu; nach der zweiten Schwangerschaft noch einmal 20 Kilogramm. Klar dachte ich mir, dass ich an mir arbeiten muss – aber leichter gesagt als getan. Natürlich habe ich mehrere Diäten gemacht und auch tatsächlich abgenommen. Lange durchziehen konnte ich aber keine Diät. Ich fing so vieles an, brachte es aber nicht zum Ende. Irgendwann merkte ich gar nicht mehr, wie oft ich zum Kühlschrank ging. Es war ein Teufelskreis, aus dem ich nicht alleine heraus gekommen wäre.

Adipositas ist eine gefährliche Krankheit, die sich anschleicht und schwer abzuschütteln ist. Leider belächeln das die meisten Menschen. Wenn ich durch die Stadt gehe, werfen mir viele Menschen blöde Blicke zu, obwohl sie meine Geschichte überhaupt nicht kennen. Der Alltag mit Adipositas ist kein einfacher. Auch der Urlaub war für mich mehr Tortur als Entspannung. Bei einem Städtetrip mit meinem Mann merkte ich, wie schwer mir das Gehen fiel. Auch viele Treppenstufen, z.B. bei den U-Bahn-Stationen waren ein riesengroßes Hindernis für mich. Letztendlich musste mein Mann dann die Stadt alleine erkunden, was mich sehr traurig machte.

Wegen Knieproblemen ging ich dann schließlich zu einem Orthopäden. Dieser riet mir, erst einmal mein Gewicht zu reduzieren und legte mir die Angebote der neuen Adipositas-Chirurgie im St. Vincenz-Krankenhaus nahe. Gleich im Januar meldete ich mich zum ersten Kurs an: Dem MMK. Das ist ein „Multimodales Konzept“, das sich aus Ernährungsberatung, Verhaltenstraining, Coaching und medizinischen Vorträgen zusammensetzt. Dieser Kurs ging ein halbes Jahr lang und ich habe wirklich sehr viel Spaß mit den anderen Kursteilnehmern gehabt. Es war absolut die richtige Entscheidung! Hier wurde uns beigebracht auf unseren Körper zu hören und ein „Stopp-Gefühl“ zu entwickeln. Den MMK-Kurs kann ich allen „Leidensgenossen“ empfehlen. Wir sind eine Gemeinschaft geworden und es entwickelten sich richtige Freundschaften. Es ist ein schönes Gefühl sich austauschen zu können und zu merken, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des MMK-Kurses entschied ich mich für eine „Schlauchmagen“-Operation. Hierbei wird ein Großteil des Magens entfernt. Die Nahrung kann dann nur noch in kleinen Portionen eingenommen werden. Die erste Mahlzeit nach der OP war schon ein komisches Gefühl – ein kleines Joghurt genügte und ich war satt. Daran werde ich mich noch gewöhnen müssen. Nach der OP fühlte ich mich auch bestens aufgehoben. Auch weil eine Bekannte aus dem MMK-Kurs mit mir auf demselben Zimmer der Station lag und ebenfalls operiert wurde. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Aber ich bin froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Voller Vorfreude Blicke ich nun in die Zukunft und freue mich über jedes Kilo, was purzeln wird!

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Interessierte können sich hier über die Adipositas-Chirurgie informieren: www.vincenz.de/adipositas

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