Blog St. Vincenz

Krebskranke Frauen in der Krankheitsverarbeitung unterstützen – Geschichte des „Frauenkreises“

Nicole Klopp, onkologische Fachkrankenschwester, über die Gründung des Frauenkreises

Durch meine Weiterbildung zur onkologischen Fachkrankenschwester vor fünf Jahren konnte ich viele Erfahrungen in anderen onkologischen Kliniken sammeln. Ich fand es sehr interessant, dass z.B. in England sehr eng mit Ehrenamtlichen gearbeitet wird, die selbst krebskrank waren. Oder dass z.B. andere onkologische Zentren Gesprächskreise organisieren.

In unserer Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe haben wir 2012 und 2013 besonders viele Patientinnen unter der Chemotherapie betreut. Ich beobachtete, dass während der Infusionsgabe in zwei Räumen jeweils drei  Frauen zusammensaßen und die Zeit zum regen Austausch untereinander nutzten. Mir wurde noch einmal klar, dass diese Gruppe von Frauen einen großen Unterstützungsbedarf hat, nicht nur symptomorientiert, sondern auch psycho-sozial.

Da kam mir die Idee, Patientinnen in ihrem Bewältigungsprozess  der Krebserkrankung zu unterstützen und auch in unserer Klinik einen Gesprächskreis zu gründen. Da sich viele unserer Patientinnen in der gleichen Situation befinden und ähnliche Probleme haben, fand ich es total naheliegend, diese Personengruppe zusammenzubringen. Aus Erfahrung weiß ich: Gerade Frauen unter Chemotherapie profitieren von selbst angeeignetem  „Expertenwissen“ der Mitpatientinnen – also von den Erfahrungen der anderen.

Das erste Treffen des neu gegründeten „Frauenkreises“ fand im November 2013 in der Frauen- und Kinderklinik St. Louise statt. Im Anschluss an das Treffen berichteten mir die Frauen, wie gut ihnen der Austausch tat. Sie waren erstaunt, dass andere Frauen in der gleichen Situation ähnlich denken und fühlen wie sie selbst. Viele Frauen haben Hemmungen zu so einem Treffen zu gehen. Sie befürchten, dass dort nur Negatives berichtet wird. Doch das ist in unserer Gruppe nicht so: es wird oft gelacht. Das Aussprechen von traurigen Ereignissen führt in der Regel zur Erleichterung – man hat sich etwas von der Seele geredet und man weiß: es gibt viele Frauen in ähnlichen  Situationen denen es genauso geht.

Die Themen unseres Frauenkreises wähle ich aus oder lasse mich von Fragen unserer Patientinnen bei der Themenwahl inspirieren. Wir besprechen nach und nach alle Themen, die mit einer Krebsdiagnose zusammenhängen wie: Nebenwirkungen unter Chemotherapien, Ernährung, Erschöpfungssyndrom (Fatigue), Empfindungsstörungen in Händen und Füßen (Neuropathie), Rehabilitation, Wiedereingliederung,  Sport, Antihormontherapie, Vorstellung von Selbsthilfegruppen, komplementäre Methoden (Integrative Medizin), genetische Beratung, Partnerschaft und Kinder, Schlaf, Achtsamkeit und Psychohygiene. Als Referenten kommen Ärzte, Sozialarbeiter, Ernährungsberater, Psychoonkologen oder onkologische Fachkräfte in unsere Runde.
Der Frauenkreis findet circa achtmal im Jahr statt. Der Ablauf ist immer gleich: wir starten mit einem kurzen Fachvortrag und danach gibt es die Gelegenheit zum Gespräch. Dabei können auch andere Themen, die für die anwesenden Frauen gerade wichtig sind, besprochen werden. Willkommen sind alle an Krebs erkrankten Frauen sowie auch deren Töchter oder Freundinnen.

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