Blog St. Vincenz

Herzmuskelerkrankung in jedem Fall vermeiden

Prof. Dr. Andreas Götte, Chefarzt St. Vincenz-Kardiologie, über die möglichen Folgen einer verschleppten Erkältung

Prof. Dr. Andreas Götte

Eine Herzmuskelentzündung kann jeden treffen. Bei jeder Erkältung können sich die Viren und Bakterien aus dem Rachen im ganzen Körper ausbreiten und bis zum Herzen vordringen. Sehr viele Menschen hatten schon leichte Herzmuskelentzündungen ohne es zu bemerken. In 95% der Fälle kann unser Immunsystem die Keime nämlich erfolgreich bekämpfen. Voraussetzung dafür ist, dass wir ihm Ruhe gönnen und auf körperliche Anstrengungen verzichten. Doch die meisten Menschen ignorieren ihre Erkältungssymptome und überschätzen ihre Kräfte. Davor kann ich nur warnen!

Wer es übertreibt – keine Kraftanstrengung scheut, unbedingt zum Sport gehen will und sich auspowern, trotz Schnupfen und Abgeschlagenheit –  der schwächt damit sein Immunsystem, also die körpereigene Abwehr. Somit kann eine Herzmuskelentzündung entstehen, die unter anderem auch zu einer dauerhaften chronischen Herzschwäche führen kann. Wir behandeln pro Jahr circa 2000 Menschen mit einer chronischen Herzschwäche, davon sind viele auf eine Herzmuskelentzündung zurück zu führen. Das Tragische daran ist, dass es sich dabei oft um recht junge Patienten handelt, die - ohne es zu wissen - ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt haben.

Zur Behandlung der schweren chronischen Herzschwäche (LVEF<35%) werden Defibrillatoren und kardiale Resynchronisationssysteme (CRT-D) bei einem Teil der Patienten implantiert. Zusätzlich zu diesen Verfahren  haben wir seit Anfang des Jahres 2013 die sogenannte CCM-Methode in der Medizinischen Klinik II im St. Vincenz-Krankenhaus etabliert. Die Methode beruht auf der gezielten Abgabe von Impulsen an das Herz zur Steigerung der Pumpkraft. 

CCM-Signale sind elektrische Impulse, die von einem implantierbaren, herzschrittmacher-ähnlichen Aggregat während einer bestimmten Phase der Herzaktion abgegeben werden und die Kontraktionsfähigkeit des Herzens deutlich steigern. Das hierfür benötigte Implantat ist ein kleines Gerät, das äußerlich einem Herzschrittmacher ähnelt. In einer Operation, ähnlich wie bei einer klassischen Herzschrittmacherimplantation, wird das System im Bereich des rechten Brustmuskels implantiert. Die drei dabei in das Herz vorgeschobenen Elektroden können die Herzmuskelaktivität so verändern, dass nach einigen Monaten die Herzleistung deutlich zunehmen kann. Ein bis zwei Tage nach dem Eingriff können die Patienten das Krankenhaus in der Regel wieder verlassen. Diese Therapieform bedeutet für viele Patienten zumindest eine erhebliche Verbesserung der klinischen Beschwerden mit Rückgang von Luftnot und Wassereinlagerungen im Körper. In meinem Team am St. Vincenz-Krankenhaus kümmern sich insbesondere die Oberärzte Dr. Willich, Dr. Brandner und Dr. Lay um unsere Patienten mit Herzmuskelentzündungen.

Wird die Herzmuskelentzündung rechtzeitig erkannt (z.B. durch eine Kernspintomografie) und schont sich der Patient konsequent, dann kann die Erkrankung aber auch folgenlos ausheilen, während sie unbehandelt zum plötzlichen Herztod führen kann. Warnsignale  für eine bereits bestehende Herzmuskelentzündung sind: Müdigkeit, Leistungsschwäche, Atemnot schon bei geringer Anstrengung und Brustschmerzen. Bei diesen Symptomen im Zusammenhang mit einer vorangegangenen Infektion, sollten Betroffene unbedingt zum Arzt gehen. Der verordnet dann zunächst einmal Schonung und evtl. auch Betablocker, die das Herz beruhigen. Nach Abklingen der akuten Entzündung ist zu beachten: drei Monate keinen Sport!


  •  
  • 0 Kommentare
  •  

Mein Kommentar

Ich möchte über jeden weiteren Kommentar in diesem Post benachrichtigt werden.