Blog St. Vincenz

Ein bunter Kreis voll Lebensfreude

Annekathrin Kronsbein, Leiterin der Marketingabteilung, über das Sommerfest der Sozialmedizinischen Familiennachsorge

Die Teilnehmer des Sommerfestes

Die Sonne strahlt vom Himmel, meine Laune ist blendend und noch dazu steht ein „Kuchen-Termin“ im Kalender. Es geht für mich an diesem Nachmittag in die Frauen- und Kinderklinik St. Louise zum Sommerfest der Sozialmedizinischen Nachsorge. Dies ist ein Angebot  für Familien, in denen ein Kind (viel) zu früh oder schwer krank geboren wurde. Das Team feiert gerade das einjährige Bestehen einer Kooperation mit Bethel. Das Ziel des Teams ist es, den Übergang aus dem stationären Krankenhausaufenthalt in unserer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin nach Hause so reibungslos wie möglich zu gestalten. Die Familien sollen ihre Situation im Alltag bald aus eigener Kraft heraus meistern können.

Wie üblich bei Presseterminen bin ich schon etwas früher da, um die Verantwortlichen kennenzulernen und schon ein paar erste Infos einzuholen, bevor es wuselig wird. Im Gespräch merke ich schnell: Den Teammitgliedern der Familiennachsorge liegt ihre Tätigkeit sehr am Herzen.
Um 15 Uhr geht es dann richtig los. Ein Kinderwagen nach dem anderen steuert in Richtung Konferenzraum. Mutter, Vater, auch Geschwisterkinder – alle sind gekommen. Die Wiedersehensfreude zwischen den Familien und dem Team ist offensichtlich. Man begrüßt sich, erzählt, bestaunt, wie gut sich die Kinder entwickelt haben. Alle strahlen und es entsteht ein richtiger „Kinderwagenstau“. Nach und nach füllt sich der Raum, die Atmosphäre ist richtig schön und ich mische mich unter die Familien, die sich rege austauschen und erzählen, wie es ihnen in den letzten Wochen ergangen ist.

Einige Fragen kommen mir, selber junge Mutter, vertraut vor: „Stillst Du noch?“ „Wie ist es bei Euch nachts?“ Und plötzlich, genauso heiter und ganz selbstverständlich: „Wie macht ihr das mit dem Sauerstoff?“ Mir stockt der Atem. Wie selbstverständlich die Familien gelernt haben, mit ihrer Situation umzugehen, beeindruckt mich tief. Hinter ihnen liegen Wochen, häufig sogar mehrere Monate auf der Frühgeborenenintensivstation in unserer Kinderklinik. Teilweise sind oder waren ihre Kinder noch lange auf Hilfsmittel wie Monitore oder Sauerstoffgeräte angewiesen, auch zuhause. Im Krankenhaus haben die Eltern wochenlang um das Leben ihrer Kinder gebangt, die teilweise mit wenigen hundert Gramm Geburtsgewicht auf die Welt kamen oder unter einer schweren Erkrankung litten oder noch immer leiden. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie das sein muss. Und trotzdem sind sie so ausgeglichen, voller positiver Energie und Optimismus. Sie alle scheinen mit dieser außergewöhnlichen Herausforderung, die ihnen das Leben gestellt hat, vollkommen im Reinen. Sie haben die Situation so angenommen, wie sie ist und strahlen eine unfassbar positive Einstellung aus.

Im bunten Reigen der Familien treffe ich auch bekannte Gesichter: Familie Smith, deren Zwillings-töchter June und Liv in der St. Vincenz-Geburtshilfe in diesem Frühjahr als zweizeitige Zwillinge zur Welt kamen (siehe Blogtext weiter unten). Auch sie ziehen eine positive Bilanz, berichten mir, dass es ihnen gut getan hat, dass jemand, der sie und ihre Kinder schon durch den Klinikaufenthalt kannte, zu ihnen nach Hause kam. Die Hilfe des Familien-Nachsorge-Teams hat ihnen Sicherheit gegeben und Stress genommen. Die beiden viel zu früh geborenen Zwillings-Mädchen entwickeln sich gut. June bekommt zwar noch immer Sauerstoff, doch beide Kinder trinken gut und haben ordentlich Gewicht zugelegt. Die vier Monate alte Liv wiegt inzwischen 4.000g, Schwester June, 5 Monate alt, bringt es auf 3.500g.

Ich bin wirklich ergriffen von den Geschichten der hier versammelten Familien. Hätten mein Mann und ich das auch so hinbekommen, wenn unser Sohn als ganz kleines Frühchen auf die Welt gekommen wäre? Ich weiß es nicht. Doch eines ist mir vollkommen klar: Die Kolleginnen und Kollegen der Frühgeborenenintensiv-Station und auch das Team von der Sozialmedizinischen Nachsorge haben nicht nur medizinisch und pflegerisch einen unglaublich guten „Job“ gemacht. Mehr noch: Sie haben den Familien in vielen Wochen der Angst und des Bangens Mut gemacht, sie getröstet, ihnen zur Seite gestanden, sie angeleitet und ihnen alles mit auf den Weg gegeben, damit sie nun zuhause so gut wie möglich zurechtkommen und diese positive Energie ausstrahlen können. Ich bin mir sicher: Das ist der Grund dafür, dass heute alle so unbeschwert lachen können!

Hintergrund:
Das Team der Familiennachsorge und seine Arbeit
Das fünfköpfige Team besteht aus Case Managerin Sibylle Meintrup (Kinderkrankenschwester und Leiterin des Angebots) von der Familiennachsorge Bethel sowie Oberärztin Dr. Daniela Plogmeier (Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin), Angelika Brand (Sozialpädagogin), Daniela Gockel und Stephanie Lüken (beide Kinderkrankenschwestern) aus der St. Vincenz-Kinderklinik. Derzeit betreuen sie gemeinsam zwölf Familien.

Ärzte und Kinderkrankenschwestern überlegen schon während des stationären Aufenthalts, wo die Betreuung durch die sozialmedizinische Nachsorge hilfreich sein könnte. Erfüllt die Familie die Voraussetzungen und hat Interesse an dem Angebot, kümmert sich das Team umgehend um die Formalien mit der Krankenkasse. Denn für die Familien ist das Angebot kostenlos. Noch im Krankenhaus lernen die Familien ihre Ansprechpartnerin kennen und können Vertrauen aufbauen. Nach der Entlassung erfolgen wöchentliche Hausbesuche. In Absprache mit den Familien werden dann die verschiedenen Helfer organisiert und alle notwendigen Maßnahmen koordiniert, z.B. Förderungsmaßnahmen und Unterstützungsangebote wie Physiotherapie, Frühförderung, eine Haushaltshilfe oder ein externer Pflegedienst. Zusätzlich gibt die Mitarbeiterin den Eltern mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung Sicherheit im Umgang mit dem Kind und hat ein offenes Ohr für alle Fragen. Regulär läuft die Unterstützung für drei Monate, bei Bedarf kann verlängert werden.

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