Blog St. Vincenz

Das FEES-Zertifikat

Anne Roick ist eine unserer Logopädinnen im St. Vincenz-Krankenhaus. Heute berichtet sie uns über ihr kürzlich erhaltenes „FEES-Zertifikat“.


Schon seit über vier Jahren arbeite ich im St. Vincenz-Krankenhaus als Logopädin. Wir Logopäden sind im Haus primär für die Diagnostik und Therapie von Schluckstörungen zuständig. Ein Großteil unseres Betätigungsfeldes macht dabei die Neurologie aus, da ca. 50% aller akuten Schlaganfälle von einer Schluckstörung begleitet werden. Viele Patienten mit neurologischen Erkrankungen und Syndromen  wie z.B. MS, Parkinson oder ALS weisen zudem  im Verlauf Schwierigkeiten in der Nahrungsaufnahme auf. Aber auch Patienten anderer Fachrichtungen neigen – oft bedingt durch Multimorbidität oder als Nebenwirkung von Medikamenten – zu Schluckstörungen. In der Fachsprache nennen wir das Dysphagien.
Eine klinische Schluckuntersuchung durch die Logopädie dient als erste wichtige Einschätzung der Schluckfunktionen des Patienten. Diese kann allerdings nicht alle Aspirationen (Eindringen von Nahrung in die Atemwege) sicher erkennen. Zu diesem Zwecke hat sich in der Neurologie seit ca. einem  Jahr die FEES (Fiberoptische endoskopische  Evaluation des Schluckaktes) als sicheres Diagnostikinstrument etabliert.
Und so läuft das Ganze ab: Wir führen unter lokaler Anästhesie der Nasenschleimhaut ein Videoendoskop über den Nasengang des Patienten ein und schieben Dieses vorsichtig bis zum Rachen vor, um einen optimalen Blick auf den Kehlkopf und alle fürs Schlucken relevanten Strukturen zu ermöglichen. In einer etwa fünf- bis fünfzehnminütigen standardisierten Untersuchung werden nun dem Patienten verschiedene Nahrungskonsistenzen zum Schlucken angereicht: breiig, flüssig, fest  und ggf. eine Placebotablette. Aspirationen können hier sicher diagnostiziert und geeignete Lebensmittel für den Patienten gefunden werden. Auch erste kompensatorische Kopfhaltungsänderungen und Schlucktechniken können während der Untersuchung auf ihre Wirksamkeit  geprüft werden. Bei Verdacht z.B. auf eine neurodegenerative Erkrankung lassen sich durch diese Untersuchung oft wichtige Kriterien für oder gegen eine bestimmte ärztliche Diagnose festmachen.
Und  das Zertifikat für genau diese FEES habe ich kürzlich erhalten. Meine Ausbildung bis hin zum FEES-Zertifikat setzte sich aus mehrtägigen Kursen und einer schriftlichen Prüfung zusammen. Für eine Supervisionsphase fuhr ich mehrmals die Woche nach Troisdorf zu meinem Ausbilder, um unter Anleitung endoskopische  Schluckuntersuchungen an Patienten durchzuführen und Befunde zu erstellen. Als alle nötigen Unterlagen und Supervisionen gesichtet waren, konnte ich mich zur Prüfung anmelden. Dann war der Tag der Prüfung gekommen: Ich untersuchte eigenständig einen Patienten und musste mich noch in einer kurzen mündlichen Prüfung unter Beweis stellen. Alles in allem dann gar nicht so schlimm wie erwartet, und ich habe es geschafft!
Nun kann ich die FEES ohne Beisein eines Facharztes durchführen. Auf die schriftliche ärztliche Anordnung bin ich natürlich weiterhin angewiesen. Ein Facharzt sollte für den Notfall und auch für spezifische Fragestellungen idealerweise zumindest in der Nähe sein.  Hier im St. Vincenz-Krankenhaus ist, neben mir als Therapeutin, ebenfalls Herr  Dr. Henneböhl als neurologischer Oberarzt Inhaber eines FEES-Zertifikats.  Oft werden die endoskopischen Schluckuntersuchungen von uns beiden gemeinsam, also im Tandem durchgeführt.
Nach erfolgreichem Erwerb des FEES-Zertifikats ist für mich die Reise noch nicht zu Ende: ich führe weiter Buch über alle von mir im Haus durchgeführten Untersuchungen, sodass ich mich dann hoffentlich demnächstfür die Prüfung als FEES-Ausbilderin anmelden kann.  Dies würde die Ausbildung für alle zukünftigen Logopäden und Ärzte, die hier im Haus ihr FEES-Zertifikat erlangen möchten, erheblich verkürzen und vereinfachen. 

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