Blog St. Vincenz

Krankenhäuser evakuiert wegen Bombenfund

Ausgewählte Statements des Ärztlichen Direktors und der Pflegedirektion. Sie beschreiben den Evakuierungssonntag und die Vorbereitungen.

Das St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn war von der Evakuierung am Sonntag, 8. April, nur teilweise betroffen: Während der Entschärfung der Bombe wurden in den Mittagsstunden des Sonntags einige Patientenzimmer geräumt. Die Patienten konnten alle in sichere Bereiche des Gebäudes verbracht werden. Da das St. Vincenz-Krankenhaus aber auch im Evakuierungsbereich lag, konnte es am Sonntag nicht mehr angefahren werden – weder von Rettungswagen noch von Patienten oder Angehörigen. Somit konnte das St. Vincenz-Krankenhaus vom frühen Sonntagmorgen bis Montagmorgen 8 Uhr nach der Evakuierung keine neuen Notfallpatienten aufnehmen. Die Rettungsdienste waren informiert. Die Frauen- und Kinderklinik St. Louise war schon am Samstag komplett geräumt worden. Viele Patienten waren in das St. Josefs-Krankenhaus nach Salzkotten gebracht worden.

Dr. med. Lutz Mahlke, Ärztlicher Direktor St. Vincenz-Krankenhaus GmbH, erklärt, wie sich die Ärzte auf die Evakuierungssituation – in der das St. Vincenz ja für mehrere Stunden von der Öffentlichkeit abgeschnitten war  – vorbereitet hatte, welche Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden und ob es im Vorfeld Patienten-Verlegungen gab:

„So gut es uns möglich war, haben wir an der Notfallversorgung bis Sonntagfrüh noch teilgenommen. In enger Absprache mit allen Berufsgruppen haben wir Ende der Woche unser Routine-OPprogramm runtergefahren. Deshalb mussten stationäre Behandlungen teilweise leider auch auf die kommenden Wochen verschoben werden. Dadurch konnten wir am Standort St. Vincenz-Krankenhaus so viel Platz gewinnen, dass eine komplette Station für evakuierte Patienten des Brüderkrankenhauses freigeräumt werden konnte. In sehr partnerschaftlichen Gesprächen mit den Kollegen des Brüderkrankenhaues haben wir versucht, den verbleibenden Patienten beider Häuser die Behandlung und Verlegung so angenehm wie möglich zu gestalten. Dazu haben wir das Personal am Sonntag verstärkt. Die üblicherweise in Rufbereitschaft arbeitenden Kollegen waren alle während der Entschärfung in unserem Hause tätig.
Der Standort St. Louise war noch viel stärker betroffen. Hier mussten alle Patienten nach extern oder nach Hause verlegt werden. Die dringend behandlungspflichtigen Gynäkologie-, geburtshilflichen und Kinder-Patienten wurden im Laufe des Freitag und Samstag nach Salzkotten verlegt, wo sie mit verstärkter Besetzung vieler Berufsgruppen betreut wurden.
Alle Patienten, bei denen ein Risiko bestand, dass sie am Sonntag eine akute Verschlechterung erfahren und eventuell z. B. operative Maßnahmen notwendig werden, wurden in andere, fernere Krankenhäuser verlegt.
Für die Zeit der vollständigen Sperrung haben wir uns in den Häusern mit mehr Blutprodukten und entsprechenden weiteren Bevorratungen vorbereitet.
Zusätzlich haben wir noch die beiden verbliebenen Krankenhäuser in der Region mit einzelnen Mitarbeitern unterstützt.“

-    Wie war der Ablauf im St. Vincenz am Sonntag? Wie hat sich die Arbeit der Ärzte im Vergleich zu normalen Sonntagen unterschieden?

Dr. med. Lutz Mahlke : „Ein großer Unterschied bestand sicher darin, dass keine Akutversorgung im St. Vincenz-Krankenhaus stattfand und die Zeit der vollständigen Evakuierung sich ruhiger gestaltete. Allerdings fiel durch die Zuverlegung von über 30 Patienten des Brüderkrankenhauses St. Josef ins St. Vincenz-Krankenhaus am Sonntagmorgen und die Rückverlegung aller Patienten des Brüderkrankenhauses und der St. Louise am Sonntagabend bis spät in die Nacht dann eine erhebliche Mehrarbeit an.

Positiv ist für mich, dass durch die vielen Absprachen und Treffen aller Paderborner Krankenhäuser und der Behörden, wir alle deutlich enger zusammengewachsen sind und sich dies sicher auch in der Zukunft angenehm auswirken wird.“
 
Auch Andreas Göke, Pflegedirektor der St. Vincenz-Krankenhaus GmbH, hatte zahlreiche Vorbereitungen zu treffen:

„In mehreren Sitzungen wurden berufsgruppenübergreifend hausintern die verschiedensten Szenarien besprochen und gelöst. Alle Abteilungen im St. Vincenz-Krankenhaus waren am Wochenende stärker als gewöhnlich besetzt, eine „interne Informationszentrale“ war für Sonntag eingerichtet. Alle Leitungen waren „an Bord“. Abteilungen wie IT, Apotheke, Technik waren mit anwesenden Fachleuten besetzt. Für die Mitarbeiter war an diesem Tag die Verpflegung in der Caféteria selbstverständlich frei. Mitarbeiter/innen, die üblicherweise zu Hause über Rufdienst erreichbar gewesen wären, befanden sich Sonntag im Krankenhaus. “

-    Wie war der Ablauf im St. Vincenz am Sonntag? Wie hat sich die Arbeit der Pflege im Vergleich zu normalen Sonntagen unterschieden?

Andreas Göke: „Am Sonntagmorgen haben wir zunächst über 30 Patienten aus dem Brüderkrankenhaus St. Josef willkommen geheißen. Für sie war eine Station mit 36 Bettplätzen vorbereitet. Unsere Patienten haben wir von dort auf andere Stationen verteilt, um die Patienten des Nachbarkrankenhauses zusammenführen zu können. Die Gesundheits- und Krankenschwestern/Krankenpfleger des Brüderkrankenhauses St. Josef, die mit ihren Patienten zu uns gekommen waren, wurden von stationskundigen Fachkräften, die unsere EDV-umgebung und die Örtlichkeiten/Medikamentenschränke usw. aus ihrem Alltag kennen, unterstützt. Auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Seelsorge waren anwesend. Zwei  Klinikclowns brachten Abwechslung und Ablenkung in den etwas anderen „Sonntag im Krankenhaus“, an dem ja auch zum Beispiel keine Besucher zu den Patienten gelangen konnten. Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr engagiert, motiviert und außerordentlich hilfsbereit, um unsere Patienten an diesem Tag gut und sicher zu versorgen.“

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