Blog St. Vincenz

Wie das Ereignis "Geburt" die Menschen öffnet für den Glauben

Schwester M. Mediatrix Altefrohne, Oberin, über die Kindersegnungen der Neugeborenen in Haus 3

Schwester M. Mediatrix Altefrohne segnet ein Neugeborenes

Seit gut zehn Jahren organisiere und leite ich als Oberin und Seelsorgerin im Haus 3 nun schon die Kindersegnungen der Neugeborenen. Vorher gab es sie sporadisch und auf Anfrage. Ich habe das dann auf etwas andere Beine gestellt und auf zweimal pro Woche festgesetzt. Ich mache die Kindersegnungen sehr gerne! Es ist einfach schön mit Kindern am Beginn ihres Lebens zusammen zu sein und ihnen an diesem Beginn ein gutes Wort von Gott mit auf den Weg zu geben! Der Ablauf ist immer ähnlich: wir beten und singen zusammen, ich verlese Worte aus der Bibel und gebe dann dem Segen Gottes eine Stimme. Der Segen kommt von Gott; ich habe dabei eine dienende Funktion, fungiere im Namen Gottes.

In den Kindersegnungs-Gottesdiensten unserer Geburtshilfeabteilung erlebt man viel. Jedes Kind ist anders, die Eltern reagieren unterschiedlich und auch die Geschwisterkinder und andere Verwandte sind oft dabei und geben den Gottesdiensten ihre eigene Note. Bei den Eltern ist es oft so, dass sie sehr ergriffen sind; manche zu Tränen gerührt. Sie erfahren Gottes Zuwendung zu ihrem Kind. Ich spüre, dass sie eine Zuwendung in dieser Art als etwas Besonderes empfinden, weil sie eben nicht alltäglich ist. Auch wird ihnen sicherlich im Laufe der Kindersegnungen noch einmal bewusst, wie verletzlich dieses junge Leben ist und wie groß die Verantwortung ist, der sie sich stellen. Viele Eltern bedanken sich nach den Kindersegnungen ausdrücklich bei mir, manche wollen meinen kompletten Wortlaut schriftlich mit nach Hause nehmen. Eine junge Mutter hat einmal zu mir gesagt: „Ihre Worte klingen in mir nach!“ das hat mich sehr gefreut.

Interessant ist auch, wie die anderen Familienmitglieder auf die Kindersegnungen reagieren. Süß sind natürlich die Geschwisterkinder der Neugeborenen, die mich immer mit ganz großen Augen angucken. Sie können oft nicht einordnen, was gerade passiert. Die segne ich dann auch mit. Ich sage ihnen zum Beispiel  „Jesus hat dich immer lieb“, dann nicken viele ganz verständnisvoll und drollig, als würden sie verstehen, was das bedeutet. Danach dürfen sie mir helfen, wenn ich eine Kerze für das Neugeborene anzünde. Und die Väter: in letzter Zeit beobachte ich immer mehr, wie liebevoll sich Väter um die Neugeborenen kümmern. Das ist mir in dieser Form früher nicht so aufgefallen.
Wichtig ist mir an dem Angebot der Kindersegnungen, dass ALLE kommen können, egal welche Konfession sie haben oder wie fest ihr Glaube ist. Ich bemerke an den jungen Eltern in unserer Klinik oft, dass viele von ihnen Reste eines Glaubens an eine höhere Macht in sich tragen – zumindest aber eine große Offenheit für den Glauben. Durch das Ereignis Geburt, das eine besondere Situation im Leben erzeugt, sind viele besonders offen für den Glauben. Das ist schön, das zu sehen!

Für viele ist die Bedeutung des Wortes „Segen“ gar nicht mehr präsent. Segen bedeutet: Gottes Güte, Gottes Zuwendung und Gottes Friede zu spüren. Zu wissen: wir sind in seinem Blick. In der Bibel heißt es ja auch: Gott lässt sein Antlitz leuchten über uns! Diese Zuwendung Gottes ist in unserem Glauben notwendig, damit das Leben gelingt und damit ein Mensch reift und wächst. Wir haben alle Anlagen mitbekommen, aber diese Anlagen müssen im Laufe des Lebens zur Reife kommen. Auf diesem langen Weg brauchen wir Gottes Hilfe, d.h. Gottes Segen.   

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