Blog St. Vincenz

Über die großen und kleinen Momente des Glücks mit Zwillingen

Zwillingsmutter Jennifer Baro schrieb einen besonders rührenden Brief an die Leitende Oberärztin unserer St. Vincenz-Geburtshilfe

In dieser Woche werden Senta und Smilla ein Jahr alt, der erste Geburtstag steht an. Ein aufregendes Jahr für uns als Zwillingseltern geht vorbei und wenn ich die letzten Monate Revue passieren lasse, fühle ich mich vor allem so unglaublich dankbar für die wunderbaren Momente, die unserer Familie vergönnt sind. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, NICHT über schlaflose Nächte, Zahnen im Doppelpack und lustige Anekdoten aus dem Alltag zu schreiben, sondern einen Brief mit euch Bloglesern zu teilen, der an eine für uns sehr besondere Person gerichtet ist: Frau Schmücker, die Leitende Oberärztin der St. Vincenz-Geburtshilfe, der wir unser Glück verdanken.
 
Liebe Frau Schmücker,

Sie haben uns schon in der Schwangerschaft ein ganzes Stück begleitet, haben uns Mut gemacht, als wir Angst hatten, haben mich zum Lachen gebracht, als ich vor Erschöpfung weinen wollte. Sie haben auch die schlechten Nachrichten so gut verpackt, dass wir trotz aller Bedenken nachts gut schlafen konnten. Sie haben dafür gesorgt, dass wir die Schwangerschaft mit unseren Zwillingen genießen konnten.

Ein Jahr ist es nun her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. 12 Monate, in denen wir nun schon Eltern von drei bezaubernden Kindern sein dürfen. 365 Tage voller Lachen, Glück und Aufregung. 8760 Stunden ist es her, dass für uns die Welt kurz stillstand. Vor 525.600 Minuten setzten Sentas Herztöne plötzlich aus.

Wenn ich an den Moment zurückdenke, kann ich noch immer nicht fassen, was passiert ist. Wir haben gelacht, wir haben Kekse gegessen und uns gemeinsam auf unsere beiden Kinder gefreut. „Noch 2 oder 3 Stunden“ haben Sie gesagt, „dann sind Sie Zwillingseltern!“. Es war alles so entspannt und familiär. Dann war plötzlich alles still. Aus dem leise und rhythmisch pochenden Wummern des Herzdopplers war ein Stolpern geworden, dann war es weg, kurz wieder da. Jemand rief „Notsectio“ und der Raum füllte sich plötzlich mit Menschen in OP-Kleidung, unzählige Ärzte und Hebammen wuselten um mich herum, schoben meinen Mann zur Seite und es wurde laut und hektisch. Ich kann mich nur noch an wenige Details erinnern, bevor die Narkose wirkte, aber ich erinnere mich genau wie Sie meine Hand nahmen und sagten „Keine Angst, es wird alles gut.“

Sie hatten recht. Es ist alles gut, mehr sogar, es ist perfekt. Wir wurden Eltern von zwei gesunden und bildhübschen kleinen Mädchen, die diese Woche ihren ersten Geburtstag feiern dürfen.

An diesen Satz werde ich mich ein Leben lang erinnern, Sie haben mir so viel Stärke gegeben, und ich habe Ihnen von Herzen geglaubt, dass alles gut wird. Woran ich mich nicht mehr erinnern kann ist, ob ich jemals „Danke“ gesagt habe. Die Zeit im Krankenhaus war aufregend, fast als wäre alles ein Film, der an mir vorbei zieht, der nicht mich sondern jemand fremdes betrifft. Jetzt, ein Jahr später, möchte ich Ihnen danken, aber ich weiß nicht wie.

Wie sagt man DANKE für etwas so Unglaubliches? Wie bedanke ich mich, ohne dass es kitschig klingt, wie aus einer schlechten Arztserie, in der die Menschen ihren Ärzten um den Hals fallen und in Tränen ausbrechen? Wie sage ich Danke, ohne dass es wie eine leere Worthülse klingt, die man einfach dahin sagt, ohne wirklich etwas zu meinen? Schicke ich Ihnen Blumen oder Schokolade oder einen Gutschein für ein tolles Essen? Das alles wirkt so unbedeutend im Vergleich zu dem, was Sie für uns getan haben. Wer weiß was passiert wäre, wären Sie nicht da gewesen, hätten Sie nicht so schnell reagiert? Ich weiß es. Ich weiß es nur zu gut, aber ich hatte lange Angst, dass es jemand laut aussprechen würde. Wie sage ich Danke für ein Leben?

Vielleicht übertreibe ich, vielleicht war alles halb so schlimm und Sie haben nur Ihren Job gemacht. Vielleicht erinnern Sie sich nicht mehr an unsere Familie, weil wir nur eine unter vielen waren. Das will ich aber nicht glauben, denn wir erinnern uns an Sie. Sie waren in dieser besonderen Situation nicht nur eine der ersten Personen im Leben meiner Töchter, sondern auch eine der wichtigsten.

Das letzte Jahr zog so rasend schnell an uns vorbei und jeden Tag kommen neue Momente dazu, für die wir einfach dankbar sind. Wie oft habe ich am Kinderbett gestanden und konnte es kaum fassen diese kleinen Menschlein dort schlafen zu sehen. Wir haben wirklich Zwillinge. Gesunde, putzmuntere Zwillinge.

Ich bin dankbar für diese kurzen Momente des Glücks am Babybett. Ich bin dankbar für jedes Lächeln. Ich bin dankbar für die Babyküsse, vor allem die mit viel Spucke. Ich bin dankbar dafür, dass unser Großer vor dem Schlafengehen sagt „Und meine Mäuse hab ich auch ganz lieb!“. Ich bin dankbar für den Anblick, wenn mein Mann diese zarten kleinen Mädchen in seinen tätowierten Armen hält. Ich bin dankbar dafür, morgens von zwei lachenden Stimmchen geweckt zu werden. Ich bin dankbar für jedes gebrabbelte „Mama“. Ich bin stolz auf meine Familie.

Frau Schmücker, ich weiß immer noch nicht was ich sagen soll, deshalb sage ich von Herzen einfach DANKE!

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