Blog St. Vincenz

Impuls des Monats März - ursprünglich gerichtet an unsere Mitarbeiter

Von Sr. M. Katharina Mock, Generaloberin der Vincentinerinnen

In diesem Monat bereiten wir uns auf Ostern vor. Auch die Natur in der sich die ersten Knospen zeigen, weist auf neu beginnendes Leben hin.

Im März feiern wir in unseren Krankenhausbetriebsstätten zwei Patronatsfeste. Am 15. März das Hochfest der hl. Louise von Marillac und am 19. März das Hochfest des hl. Josef.
Der hl. Josef wird oft als Mann des Hörens und des Schweigens verehrt. Passend zu den ihm zugeschriebenen Tugenden möchte ich in diesem Monat das Sprichwort

„Reden ist Silber – Schweigen ist Gold mit Ihnen bedenken.

Leicht sind wir bei diesen Worten versucht, das eine mit dem anderen zu vergleichen und zu bewerten.
Das Sprichwort will jedoch nicht Reden und Schweigen gegeneinander ausspielen. Beide Formen menschlicher Kommunikation werden in diesem Sprichwort mit Edelmetallen verglichen.

So wie das natürliche Vorkommen von Silber häufiger ist, als das Vorkommen von Gold, so ist das Reden auch die häufigere Kommunikation im Miteinander von Menschen.

Edel so wie Edelmetall werden beide Kommunikationsformen dann, wenn Sie zur rechten Zeit, am rechten Ort und in der rechten Weise geschehen. Dabei kann sowohl Reden als auch Schweigen von großem Wert sein.
Zum Beispiel ist es für die Behandlung der Patienten sehr wichtig, dass durch das Reden von Arzt und Patient bei der Anamnese die richtigen Informationen gesammelt werden.
Bei der Aufklärung für Behandlung und Therapie ist es wichtig, verständlich zu reden, damit Patienten erfassen können, was ihnen von Fachleuten erklärt wird.
Auch bei der Mitteilung von infausten Diagnosen ist es wichtig, das, was zu sagen ist, genau zu bedenken.

Besonders die Mitarbeiter/innen in der Pflege und Seelsorge können sich gut an Situationen erinnern, in denen das Schweigen die bessere Form der Kommunikation war. Hier denke ich vor allen Dingen an Trauersituationen.

Reden und Schweigen gehören immer zusammen. Wie Reden zu Silber und Schweigen zu Gold werden kann, zeigt eine Geschichte über den Philosophen Sokrates:

Die drei Siebe
Eines Tages kam zum Weisen Sokrates ganz aufgeregt ein Mann gelaufen und sagte: "He, Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen."
"Moment mal", unterbrach ihn der Weise. "hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"
"Drei Siebe?" fragte der Andere voller Verwunderung.
"Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?"  "Nein, ich hörte es irgendwo und . . ."
"So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst - wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist - so doch wenigstens gut?"
Zögernd sagte der andere: "Nein, das nicht, im Gegenteil ..."
"Aha!" unterbrach Sokrates. "So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?" "Notwendig nun gerade nicht ..."
"Also", lächelte der Weise, "wenn das, was du mir erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!"


Im Krankenhausalltag spielt die Kommunikation eine ganz große und entscheidende Rolle und das in allen Bereichen. Hier kann sowohl das Reden, wie auch das Schweigen, zu gelingendem Handeln führen.

Daran welch große Wirkung das Schweigen haben kann, können sich vielleicht die Mitarbeiter/innen erinnern, die 2011 mit bei der Marienvesper beim Papstbesuch von Benedikt XVI. in Etzelsbach waren.
Hier haben auf Bitten des Papstes 90.000 Menschen für einige Minuten miteinander geschwiegen. Von vielen habe ich hinterher dazu gehört, wie beeindruckend sie diesen kurzen Augenblick der Stille gefunden haben.

Für den Monat März wünsche ich Ihnen, dass es gelingen möge Ihr Reden und Schweigen so zu leben, dass Sie in den Begegnungen mit anderen so wertvoll sind wie Silber und Gold.

Ihre

Schwester M. Katharina

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